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Warum ich der Frauenquote kritisch gegenüber stehe.

5 Februar 2011 7 Kommentare PDF

In den letzten Tage wurde viel gesprochen und geschrieben zu diesem enorm wichtigen Thema. Die Meinungen gehen weit auseinander und jeder hat dazu was zu sagen.
Ich schreibe meine Sicht auf die Sache, weil ich aus eigener Erfahrung Einiges zu sagen habe und es mir seit Tagen im Kopf rumschwirrt – ich muss es einfach niederschreiben.

Was spricht für die gesetzlich festgelegte Frauenquote (wohlgemerkt geht es immer um die Quote in den obersten Hierarchien der Grossunternehmen)? Die Erfahrung, dass in den letzten 10 Jahren kaum was in dieser Richtung passiert ist. Und die Beispiele der anderen EU-Länder, die auf Grund solcher Quoten eine erhebliche Steigerung der Frauenzahlen erzielt haben.
Ok., so weit, so gut.

Aber…
Ich sehe es nicht so, dass an der Gleichstellung der Frauen in der deutschen Wirtschaft in den letzten Jahren so wenig passiert ist. Es ist zwar richtig, dass in den Vorständen der DAX-Unternehmen wenig Bewegung zu verzeichnen ist, aber kann man das als Maßstab für die ganze Wirtschaft nehmen? Über 90 % aller Unternehmen werden in dieser Statistik gar nicht berücksichtigt. Und es ist sehr wohl viel passiert in dem Teil der Wirtschaft, die nicht an der Börse zeichnet.
Gerade im Mittelstand hat sich das Bild stark gewandelt, es ist schon (fast) normal, dass z. B. die Familienunternehmen von Töchtern übernommen werden. Ja, fast. Aber was erwartet man den?
Die ganze Gesellschaft mit ihren starren Rollenbildern muss sich verändern und solche Veränderungsprozesse passieren nun mal nicht von heute auf morgen. Außerdem, was ist mit den Frauen selbst. Sie haben doch erst seit einiger Zeit überhaupt angefangen in größeren Zahlen sich den „richtigen“ Berufen zuzuwenden. Mittlerweile sind viele Frauen sehr gut ausgebildet und sind auch willig, Karriere zu machen. Der Aufstieg von Frauen in die mittlere Hierarchieebene scheint nicht so das Problem sein, das klappt schon ganz gut.
Jetzt gilt es weiterzugehen und die Frauen auch in die höchsten Hierarchien zu lassen.
Das ist auch richtig und wichtig!

Es wird dieser Tage davon geschrieben, dass in anderen EU-Ländern die gesetzliche Frauenquote zur Steigerung des Frauenanteils in Aufsichtsräten und Vorständen beigetragen hat. Nur, da muss man auch sehen, dass diese Länder sich auf einem ganz anderen zahlenmäßigen Level befinden. Wir sind gerade am Anfang dieser gesellschaftlichen Veränderung, wenn man es so genau betrachtet. Und muss man da schnellstmöglich mit dem grössten Hammer los gehen? Ich finde es nicht.

Ich frage mich, ob eine wirklich tragfähige Lösung für Frauen mit einer Quote erreicht wird.
Weil…
Eine von oben diktierte Quote führt dazu, dass die Unternehmen nach Rasenmäher-Methode jeder passenden Frau einen Status verpassen, um die statistischen Werte hochzutreiben. Wie heißt es doch gleich: „Glaube keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast.“
Wird diese Strategie denn zu einem guten Betriebsklima beitragen und würden die Frauen in den Unternehmen besser anerkannt sein, weil sie als Quotenfrauen befördert werden? Dann werden sie doch erst recht zu „Feinden“ der Männer, weil sie plötzlich bevorzugt behandelt werden. Und die Begründung wird sein: „Guck mal, sie wird befördert, weil sie eine Frau ist, obwohl sie es nicht drauf hat.“
Nur was nützt einer Frau ein Posten, wenn man keinen Rückhalt im Unternehmen hat?
Ich finde nicht, dass wenn man die Frauen zu Opfern macht, es für sie auszahlen wird.

Denn das Problem ist doch nicht die geringe Anzahl der Frauen in Führungspositionen – es ist nur die Auswirkung. Was ist aber das wirkliche Problem?
Das eigentliche Problem sehe ich darin, dass Frauen meistens nicht auf die Machtkämpfe im Unternehmen gefasst sind. Wie denn auch? Im Kindergarten, im der Schule, im Studium werden immer die lieben und die fleißigen gelobt und gefördert. Dort sind die Mädchen und junge Frauen ja auch meist sehr gut, sie machen bessere Schul- und Studiumabschlüsse. Super! Und die Jungs und Herren, mit den sie es zu tun haben, sind ihnen wohlgesonnen. Die Lehrer findet es toll, mit eifrigen netten Damen zu tun zu haben. Die Mitschüler/Studiumkollegen sind auch froh sie zu haben, denn sie können abschreiben und kostengünstig Nachhilfe bekommen (ist etwas überzeichnet, ist mir klar). So. Und dann kommen sie in die Unternehmen: die netten, fleißigen Frauen. Sie geben alles, um ihre bewahrten Strategien an den Tag zu legen: freundlich, verbindend und fleißig zu sein. Und sie warten darauf, dass sie entdeckt werden. Was immer geklappt hat, muss doch auch hier klappen. Denkste! In den Unternehmen tickt die Uhr aber anders, hier gelten ganz andere Gesetzte. Plötzlich gelten nur die männlichen Tugenden: raufen, Kräfte messen, angeben. Die Frauen, die sich ähnliche Verhaltensweisen angewöhnen werden ganz schnell als Emanze, Zicke, Mannweib abgestempelt. Und sie werden gemieden und wenn das Kräfteverhältnis ungünstig ist, dann machen ihnen die Herren das Leben so richtig schwer.
Und das “Beste“ ist, solche Frauen erfahren auch keinerlei Unterstützung aus den eigenen Reihen, denn die meisten Frauen finden solche Verhaltensweisen unpassend und „undamenhaft“.
Werden die Frauen dann doch entdeckt, dann ahnen sie nicht, wie schnell die Kollegen, mit denen sich doch eigentlich immer super verstanden haben, plötzlich förmlich werden und sie mit einem Lächeln auf den Lippen auflaufen lassen. Und darauf sind sie keineswegs vorbereitet.

Also, da muss man ansetzen. Frauen müssen im Selbstmarketing, Durchsetzungsfähigkeit und Härte gegenüber der Ablehnung unterrichtet und gecoacht werden, bevor sie in die Führungsriege aufstiegen sollen. Da sind natürlich Unternehmen am Zug.

Doch bevor das kommt, ob mit oder ohne Quote, was können Frauen selbst tun?
Sie haben die wichtigste Aufgabe in dieser Geschichte. Sie müssen es lernen, sich zu vermarkten, auf sich aufmerksam zu machen ohne Scheu. Sie müssen einsehen, dass Fleiß alleine nicht ausreicht, um erfolgreich zu sein. Und sie müssen es lernen, Allianzen zu bilden – Frauen untereinander und auch vor allem mit Männern. Dies gelingt aber nur dann, wenn sie es lernen ihre Wünsche an die Netzwerkpartner offen zu kommunizieren und nicht darauf warten, dass sie von sich aus sie unterstützen. Sie müssen es lernen, sich von Meinungen anderer zu befreien und keine Scheue zu haben das Unternehmen zu wechseln, wenn ihre Vorstellungen nicht erfüllt werden. Doch das erfordert ein sehr grosses Selbstvertrauen. Und dieses muss erst erarbeitet werden!

Ich plädiere nicht dafür, dass die Frauen sich ihrer Tugenden entledigen oder zu Nachmacherinnen männlicher Verhaltensweisen werden. Auf gar keinen Fall! Sie müssen vielmehr nur etwas dazu lernen und ihren eigenen Weg finden, ohne Männer nachzumachen. Und dieser Weg geht über die Brücke, die „Mut“ heißt: Mut zu sich selbst, Mut zu eigenen Ecken&Kanten, Mut zur Nicht-Perfektion, Mut zum Selbstmarketing, Mut zum eigenen Weg!

Meine sehr geehrten Frauen, bevor man darauf wartet, dass die Politik oder Unternehmensführung solche Dinge in Form einer nichts sagenden Quote für einen erledigt, nehmen Sie bitte die Sache selbst in die Hand und verändern Sie erst sich selbst!

Das ist in meinen Augen die einzig vernünftige Lösung des Problems, nicht warten, dass sich andere verändern, und dann… Sondern erst sich selbst verändern und dann werden Sie sehen, wie das Umfeld sich dadurch auch verändern wird! Also, es liegt mal wieder an uns, packen wir es an!

7 Kommentare »

  • Natalie Schnack (author) sagt:

    Ich habe dazu einen sehr interessanten Beitrag im Blog von Mechthild Bruns und Gaby Regler gefunden:
    http://topyourjob.wordpress.com/2011/02/08/mit-frauen-quote-und-selbstbewusstsein-die-manner-macht-uberwinden/

  • ADI sagt:

    Sehr guter Artikel.

    Das es für Frauen in Führungspositionen schwer ist liegt in der Natur der Sache und damit meine ich NICHT das Geschlecht. Bei jeder großen Änderung gibt es Pioniere die viel riskieren und gegen den Strom schwimmen. Das ist hier nicht anders. Was aber anders ist, ist dass alle erwarten, dass es nicht schwer sein wird und die Einfachheit zu erzwingen versuchen. Eine “quick fix” Lösung die auf lange Sicht die eigentlichen Schwierigkeiten nur aufschiebt wie Sie sehr schön gesagt haben.

    Für die wenigen Frauen die Heute Top-Positionen anstreben ist es eben eine besondere Herausforderung aber das bringt auch eine entsprechende Belohnung. Sie gehen in die Geschichte ein als die jenigen, die den Weg für nachfolgende Generationen frei machten.

    Wir haben übrigens schon Frauenquoten an allen Hochschulen und den meisten öffentlichen Bereichen. Der gesamte Bildungssektor wird zunehmend zur Frauendomäne und das könnte viele neue Probleme mit sich bringen – die dann beide Geschlechter ausbaden müssen.
    Es wird endlich Zeit, Frauen wie Menschen auf gleicher Ebene zu sehen. Deswegen scheitert nämlich zur Zeit die Geschlechterpolitik.

  • Natalie Schnack (author) sagt:

    Vielen Dank, ADI,
    für diesen sehr umfassenden Kommentar! Danke auch für die positive Rückmeldung!
    Herzliche Grüße
    Natalie Schnack

  • Lilith sagt:

    Wir brauchen überall Frauenquoten in Führungspositionen, um unsere bunte Welt menschlicher und lebenswerter zu machen. Männergewalt war noch nie eine vernünftige Lösung, darum sollten die Spitzenpositionen von Politik und Wirtschaft nun endlich zum Wohle aller an das friedvolle, an das weibliche Geschlecht gehen. Frauen bauen auch keine Atomkraftwerke, weil ihnen Nachhaltigkeit und biologische Abbaubarkeit wichtig sind.
    http://www.frauen-quote.de

  • Natalie Schnack (author) sagt:

    Hallo Lilith,
    danke für Ihren Kommentar.
    Ich persönlich halte wenig davon, wenn man nur in “schwarz-weiß malt” – bedenken Sie doch auch mal die anderen “bunten Farben”, die zur Verfügung stehen. Zu behaupten, dass alle Frauen GUT sind und alle Männer BÖSE sind, finde ich zu einfach und nicht der Wirklichkeit entsprechend.
    Aber da ich konträre Meinungen liebe, freue ich mich, wenn hier unterschiedliche Meinungen vertreten sind.
    Herzliche Grüße
    Natalie Schnack

  • Natalie Schnack (author) sagt:

    Ich habe die Ergebnisse der aktuellen Studie des BMBF-geförderten Projekts „Frauen in Karriere” gefunden. Daraus ergibt sich, dass die Frauenquote nicht ausreichen wird, da die vorhandenen Karrieremechanismen Frauen am Aufstieg hindern. Was wirklich getan werden müsste, um die Karrierechancen von Frauen zu verbessern, erklären die Forscher in ihrem aktuellen Forschungsbericht.
    http://www.haufe.de/personal//newsDetails?newsID=1300121798.81&chorid=00560203

    Viel Spass beim Lesen
    Natalie Schnack

  • Natalie Schnack (author) sagt:

    Ein sehr spannender und persönlicher Bericht zum Thema:
    http://themenriff.de/2011/02/09/teppichetagen/

    Sehr lesenswert!

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