Die drei größten inneren Barrieren, die dich daran hindern, erfolgreich im Business zu sein und wie du mit ihnen umgehen kannst

Introvertiert selbständig Natalie Schnack

Dadurch, dass wir, Introvertierte, besonders viel über uns selbst und die Themen, mit denen wir uns beschäftigen, nachdenken, leiden wir mitunter stärker unter Selbstzweifeln, Selbstbeurteilungen, Abwertungen und einem ausgeprägten Perfektionsanspruch.

„Ich würde ja gern Videos machen (setzte das was für dich passt rein, z.B. Vortrag halten, Webinar anbieten, Bloggen, bei Facebook wirklich aktiv sein, die Buchidee endlich beim Verlag einreichen, einen Podcast starten, dem Kunden ein Angebot machen und und und), aber …

  • Ich kann das nicht.
  • Das ist nichts für mich.
  • Ich kann nichts Besonderes.
  • Das interessiert keinen.
  • Das ist noch nicht gut genug.
  • Ich muss noch eine Ausbildung machen.

Kommt dir das bekannt vor? Mir sehr gut. Ich arbeite selbst seit Jahren daran, mich von solchen Gedankenkonstrukten zu befreien, und helfe meinen Coachees dabei.

Daraus entsteht ein Haufen innerer Barrieren, mit denen wir uns so richtig schön selbst im Wege stehen. Doch auch diese Berge können wir überwinden!

In der Arbeit mit meinen introvertierten Kunden haben sich die folgenden drei Barrieren besonders herauskristallisiert, die auch noch miteinander in Verbindung stehen und sich gegenseitig „befruchten“:

  • Selbstverständlichkeitsfalle

  • Vergleichsfalle

  • „Nie genug“-Prinzip

Natürlich haben diese Barrieren eine spezielle Aufgabe: Sie sollen vor Enttäuschungen und Blamagen schützen. Irgendwann – entweder aufgrund von schlechten Erlebnissen oder Ängsten vor Gefahren, die rein theoretisch bestehen – hat unsere Psyche bestimmte Barrieren aufgebaut, die uns vor (weiteren) schlechten Erfahrungen bewahren sollten. Sie wirken nach dem Motto: „Riskiere nichts, dann kann Dir auch nichts passieren!“

Manchmal sind das noch nicht mal eigene Barrieren, sondern wir haben sie von anderen übernommen. Wenn z.B. deine Mutter dir immer gesagt hat: „Sag bloß nichts Falsches!“ oder „Gehe immer vom Schlimmsten aus!“, dann brauchst du dich nicht zu wundern, dass du diese Art zu Denken für dich übernommen hast. Und jedesmal vor einer Situation, in der du mehr von dir zeigen möchtest, sofort einen gedanklichen Teufel an die Wand malst.

Auch wenn du als Kind mal mit angesehen hast, wie dein Freund von einem Lehrer vor versammelter Klasse total blamiert wurde, nur weil er eigene Meinung vertreten hatte, kann sich dieses Erlebnis in deinem Gehirn eingebrannt haben. Und auch wenn du selbst nicht betroffen warst, sagt dir dann dein Kopf in ähnlichen Situationen: „Pass auf! Die eigene Meinung vertreten ist gefährlich!“

Das Dumme ist, dass eben solche Barrieren deinen Erfolg von vornherein unnötig behindern und dich vor dem Erreichen deiner Ziele „bewahren“. Denn alle drei wirken so, dass man denkt, man wäre nicht gut genug und das was man zu geben/sagen hat, ist banal und interessiert kaum jemanden.

Kommt dir also eine dieser Barrieren – oder mehrere – bekannt vor, dann heißt es, sich damit jetzt auseinanderzusetzen und dir immer wieder bewusst zu machen, dass das keine Realität ist, sondern dass dir dein Gehirn kleine Streiche spielt. Denn so lange diese Barrieren aktiv sind, wirst du dich immer scheuen, dich aus voller Überzeugung mit deinem Angebot zu zeigen und Kunden zu gewinnen.

Barriere Nr. 1: Selbstverständlichkeitsfalle

Eine tolle Aufgabe, die meine Kunden im Coaching oft bekommen, besteht darin, sich an die Situationen zu erinnern, in denen sie erfolgreich waren, ganz egal aus welcher Zeit in ihrem Leben und ob sie privater oder beruflicher Natur sind. Die Geschichten dieser Erfolge erzählen sie mir dann im Coaching.

Es ist immer wieder toll zu sehen, wie sie dabei strahlen und ihre Augen leuchten – sie fühlen sich so richtig in ihrem Element. Gemeinsam schauen wir uns dann an, welche Fähigkeiten sie in der jeweiligen Erfolgsgeschichte eingesetzt haben. Wenn wir dann zehn bis 15 Geschichten so bearbeitet haben, zeigen sich ganz klare Muster. Denn einige Fähigkeiten tauchen immer wieder auf.

Dann sage ich: Schau mal, und genau das sind deine größten Stärken.“ Dann erlebe ich es sehr oft, wie schnell das Leuchten in den Augen erlischt und ich plötzlich eine entgeisterte Person vor mir sehe: „Das sollen meine Stärken sein? Dafür muss ich doch gar nichts machen, ich kann das einfach. Es ist doch eine Selbstverständlichkeit, das ist ja peinlich, das als Stärke zu bezeichnen.“

Was soll ich sagen?!

Deswegen kommen ja auch Bedenken und Einwände wie

  • „Das ist doch nichts Besonderes.“
  • „Das kann/macht/weiß doch jeder.“
  • „Das ist doch selbstverständlich.“
  • „Das muss man nun nicht extra erwähnen.“
  • „Das interessiert doch keinen.“
  • „Das machen andere viel besser.“

Willkommen in der Selbstverständlichkeitsfalle!

Meine Antwort auf solche Einwände ist, dass es deswegen ja auch eine Stärke ist, weil sie einfach da ist und null Anstrengung bedeutet. Gerade die Menschen, die sehr selbstkritisch sind, brauchen jetzt etwas länger, bis es an dieser Stelle klick macht.

Dahinter steckt der weit verbreitete Denkfehler, dass Stärke etwas mit Anstrengung zu tun hat. Das, was man sich mühsam angeeignet hat, schätzt man somit wesentlich mehr als das, was sowieso schon da war.

Hier nutze ich gern die Tier-Metapher, die ich von meinem NLP-Lehrer Ralf Stumpf gehört habe und die ursprünglich auf Vera F. Birkenbihl zurückgeht.

Schaut man sich die Tiere und ihre Stärken an, dann ist sonnenklar: Der Affe klettert auf Bäume. Der Delfin schwimmt im Meer. Der Adler fliegt hoch im Himmel. Das wundert keinen.

Wenn aber jetzt der Affe seine Kletterfähigkeit als Selbstverständlichkeit ansieht und stattdessen lieber schwimmen lernen würde, könnte er wohl nach vielen Trainingsstunden schwimmen, doch würde er nie so gut schwimmen können wie der Delfin, dem diese Fähigkeit angeboren ist.

Noch skurriler ist die Vorstellung, wenn der Delfin statt zu schwimmen lieber klettern oder fliegen wollte, beziehungsweise der Adler schwimmen oder klettern.

Jetzt schauen wir uns an, wie die Selbstverständlichkeitsfalle deinen Erfolg behindert: Du kannst davon ausgehen, dass die Fähigkeiten, für die du oft Komplimente bekommst und bei denen andere ausgerechnet dich um Hilfe bieten, zu deinen Stärken gehören, z. B. Ausflüge organisieren oder schnell ein witziges Gedicht für die Geburtstagskarte reimen.

Wenn Du jetzt denkst:

  • „Ich kann das nicht mehr hören; ich mag nicht, wenn die Leute mich für solche Selbstverständlichkeiten loben, ich finde es albern.“
  • „Das fällt mir so leicht, ich muss mich doch gar nicht anstrengen dafür, das kann doch nun wirklich jeder.“

dann sitzt du einerseits in der Selbstverständlichkeitsfalle. Andererseits wirst du erst recht nicht bereit sein, aus deinem Herzensthema einen Business aufzubauen und dabei deine Stärken auszuspielen, wenn das alles so banal ist.

Also, adieu Erfolg!

Und was die Selbstverständlichkeiten betrifft – überlege mal, wofür du einen anderen aufrichtig bewunderst und ihm Komplimente machst. Richtig: genau für die Dinge, die für dich nicht selbstverständlich sind. Es sind Fähigkeiten, die du für besonders oder toll hältst und die dir selbst nicht so liegen oder die du (noch) nicht so gut beherrschst.

SELBST-CHECK: WEN HAST DU ZULETZT GELOBT ODER HEIMLICH BEWUNDERT UND FÜR WELCHE STÄRKEN?

Schreib mindestens fünf auf, z. B.:

  • den Freund, der ein wahres Improvisationsgenie ist
  • die Barista, die extrem gut multitasken kann
  • den Kollegen, der perfekte Präsentationen aus dem Stegreif macht
  • die Lieferantin, die extrem ruhig geblieben ist, als du dich böse beschwert hast
  • den Nachbarn, weil er alles reparieren kann.

Du hast bestimmt eine Menge gefunden. Ich möchte wetten, dass diese Personen das für nichts Besonderes halten. Es sei denn, sie sind längst raus aus deren Selbstverständlichkeitsfallen und machen sich das Leben 1000 Mal leichter, in dem sie ihre Stärken ganz bewusst nutzen 😉

Siehst du?! Es gibt nichts, was für jeden Menschen selbstverständlich ist. Und das gilt auch für dich: Es gibt keinen anderen Menschen auf der Welt, der die gleichen Fähigkeiten in der gleichen Zusammensetzung und Qualität besitzt wie du. Punkt. Vergiss das nie! Schreib dir das gern auf ein Plakat oder zumindest hinter die Ohren 😉

 

Barriere Nr. 2: Vergleichsfalle

Die beiden Barrieren Selbstverständlichkeitsfalle und Vergleich mit anderen hängen stark miteinander zusammen. Überleg mal: Wenn du das, was du kannst, für nichts Besonderes hältst, dann ist es doch nur klar, dass andere viel bessere und wichtigere Stärken und Fähigkeiten haben als du!

Das ist natürlich totaler Humbug. Doch eins nach dem anderen:

Ein Beispiel aus meinem Leben:

Als ich vor Jahren als Angestellte mehrere Projekte leitete und viele Präsentationen zu halten hatte, verglich ich mich immer mit meinem damaligen Chef, der eine irrsinnige Begabung hatte, Zahlen, Daten und Fakten zu jonglieren, und sie äußerst wirkungsvoll und professionell präsentierte. Also habe ich mich daran gemessen und versucht, meine Präsentationen genauso aufzubauen und zu halten.

Doch irgendwie passte das nicht zu mir. Das wusste ich schon damals. Nur habe ich daraus falsche Schlüsse gezogen: Ich hielt mich für eine schlechte Präsentatorin. Das machte mich sehr unglücklich und ich hasste es, trotzdem immer präsentieren zu müssen. Davon abgesehen, waren meine Präsentationen damals wirklich eher durchschnittlich.

Eines Tages war ich spontan zu einem Meeting eingeladen worden, wo ich über die Fortschritte eines von mir geleiteten Projektes berichten musste. Ich konnte keine Präsentation vorbereiten, sondern musste mich darauf verlassen, was ich an Informationen im Kopf hatte. Aufregung! Panik! Doch es nützte nichts. Ich musste etwas sagen.

Todesmutig ging ich nach vorne und fing an, statt über Daten und Fakten über die Zusammenhänge innerhalb des Projektes zu sprechen und darüber, welche Auswirkungen die Verzögerungen im Projekt auf andere Projekte und damit betraute Mitarbeiter hatte. Also über das, was ich schon immer gesehen habe, aber worüber man halt so nicht sprach.

Um die einzelnen Stationen darzustellen, griff ich mir sogar das sonst nie genutzte Flipchart und malte darauf. Erst stockend, redete ich mich nach und nach wirklich in Rage, was ich von sonstigen Präsentationen überhaupt nicht kannte. Es machte sogar keine wirkliche Mühe, so zu sprechen. Im Gegenteil, zum Schluss machte es sogar Spaß. 🙂

Als ich fertig war, sah ich erstaunte Gesichter der ganzen Führungsriege zu mir aufschauen. Der Chef war begeistert und lobte mich vor versammeltem Gremium (was eine absolute Rarität war). Mehrere Kollegen sprachen mich im Anschluss begeistert an und sagten, dass ich so ganz anders aufgetreten sei und dass sie mich als wesentlich präsenter erlebt hätten als sonst.

So entdeckte ich rein zufällig, dass meine vorigen Präsentationen durchschnittlich waren, weil es einfach nicht meine Art zu präsentieren war. Weil ich mir ein Maßstab gewählt habe, der überhaupt nicht zu meinen Qualitäten passte.

Heute weiß ich, welche Stärken ich habe und was mir ganz selbstverständlich gelingt. Nicht umsonst halte ich Vorträge, Webinare und mache Videos.

Das war mir wirklich eine Lehre. Heute versuche ich immer meinen eigenen Weg zu gehen, statt mich an anderen zu orientieren.

Ein Problem des Vergleichens ist also, dass man sich an falschen Maßstäben orientiert, sich das Leben damit erschwert und den eigenen Erfolg unterminiert.

Ein weiteres Problem ist, dass man sich im permanenten Wettbewerb zu anderen erlebt. Es findet immer ein Soll-Ist-Vergleich mit einer oft idealisierten Person. Und das läuft meist auf ein Entweder-oder hinaus:

  • Entweder ich oder er/sie ist besser, schöner, klüger, etc.
  • Sie ist gut in … – ich bin schlecht darin.
  • Er macht … richtig – ich mache es falsch.
  • Sie präsentiert sehr professionell – ich bin unprofessionell.
  • Seine Stärke ist wirklich toll – ich kann nichts Besonderes.
  • Was sie kann, ist wirklich wertvoll –was ich kann, ist wertlos.
  • Er ist mir fachlich überlegen – ich bin ihm unterlegen.

Jetzt lass uns die Tier-Metapher noch einmal anschauen:

Stell dir vor, der Affe hat tatsächlich gelernt zu schwimmen, der Delfin übt sich im Klettern und der Adler versucht alles, um laufen zu lernen, weil er einer Antilope nacheifert. Statt stolz zu sein auf das bisher Erreichte, vergleichen sie sich ständig mit den anderen:

  • Der Affe vergleicht seine Schwimmkünste mit denen des Delfins.
  • Der Delfin misst seine Klettergeschwindigkeit mit der des Affen.
  • Und der Adler will mit der Antilope um die Wette laufen.

Dass dieses Vergleichen nur Frust und Demotivation mit sich bringt, liegt auf der Hand.

Ich will hier aber nicht den Vergleich per se verteufeln. Die Frage ist vielmehr: Mit welchem Maßstab vergleichst du dich?

Wenn du dich mit Menschen vergleichst, die von Haus aus ganz andere Voraussetzungen mitbringen oder sogar das Gegenteil von dir sind – etwa wenn du dich als introvertierter Mensch mit besonders lauten und extravertierten Menschen vergleichst – wirst du immer den Kürzeren ziehen.

Die Muster, nach denen man sich Frust holt, sind dabei immer wieder ähnlich:

  • Man nimmt sich viel zu viel vor => das führt zur Überforderung und dann Enttäuschung über sich selbst beziehungsweise die sich selbst erfüllende Prophezeiung, dass es wie immer nicht klappt, wird bestätigt.
  • Oder man macht sich von Anfang an kleiner, als man ist, weil man nicht mit der Vergleichsperson mithalten kann => das führt dann dazu, dass man denkt: „Das ist eh nichts für mich, ich bin dazu nicht in der Lage, deswegen fang ich gar nicht erst an.“

Und da haben wir es wieder: Wer eigene Stärken für selbstverständlich hält und ihnen keine Bedeutung beimisst, die Stärken von anderen dagegen für wesentlich attraktiver und begehrenswerter hält, wird sich schwertun damit, sich, ein erfolgreiches Business aufzubauen, sein Herzensthema und eigene Qualitäten sichtbar zu machen. Schon gar nicht auf die Art, die zu einem wirklich passt und Spaß macht.

Selbst-Check: Sitzt du in der Vergleichsfalle?

Lass uns anschauen, wie es bei dir ist und ob du auch in der Vergleichs-Falle festsitzt. Überleg dir dies für den Bereich, in dem Sie sich mehr Erfolg wünschst:

  • Mit wem vergleiche ich mich?
  • Was ist das für eine Person?
  • Welche Fähigkeiten bewundere ich genau?
  • Worin unterscheidet sich diese Person von mir?

Mach diesen Vergleich aber richtig differenziert. Denn wenn du genau auslotest, was du an anderen warum bewunderst, und nicht nur sagst „Der ist besser als ich“ oder „Das kann ich nie“, dann gelingt es dir, dich konstruktiv zu vergleichen und Anregungen zu holen beziehungsweise den anderen als Vorbild wahrzunehmen. Indem du im Alltag genau hinhörst, wenn ein Kollege wieder so brillant alles auf den Punkt bringt.

Tue dir selbst einen Gefallen: hör auf, dich ständig zu vergleichen! Jeder Mensch ist anders und jeder hat seine eigenen Qualitäten, die es herauszufinden sich lohnt. Also richte deinen Fokus darauf, deine Stärken herauszufinden und in deinem Business einzusetzen. Denn das sind Fähigkeiten, auf die du dich jederzeit verlassen kannst. Genau diese Stärken machen dich zu etwas Besonderem.

Umso schöner, dass uns diese Eigenschaften und Stärken so besonders leicht fallen, weil sie uns angeboren sind, weil wir viel Erfahrung auf einem bestimmten Gebiet haben oder weil wir uns diese Stärken über Jahre erarbeitet haben.

Barriere Nr. 3: „Nie genug“-Prinzip

Die dritte Barriere stellt oft eine regelrechte Fortsetzung der anderen beiden dar. Die „Beweiskette“ geht dann so:

  • Das, was man selbst ist, ist selbstverständlich.
  • Die anderen können es sowieso viel besser.
  • Da muss es in der letzten Konsequenz darauf hinauslaufen, dass man erst noch einiges lernen muss, bevor man sich aus der Tarnung wagen darf. 😉

Ätzend, oder?!

Lass uns also schauen, was hinter dem „Nie genug“-Prinzip steckt: Es ist die Angst nicht zu genügen, schlechter zu sein als andere und deshalb abgelehnt zu werden.

Noch ein Beispiel aus meinem Leben

Auf meiner ersten Netzwerkveranstaltung wurde mir wie noch nie zuvor klar, dass ich keinen Small Talk kann. Mir behagte das oberflächliche Geplänkel über das Wetter mit wildfremden Leuten überhaupt nicht. Und so schlich ich nach einem einzigen sehr kurzen Gespräch mit einer einzigen Person still und leise weg von dieser Veranstaltung.

Das einzige Gespräch, das ich geführt hatte, war in meinen Augen inhaltsleer, ich habe mich weder selbst vorgestellt, noch wusste ich, mit wem ich sprach. Im Grunde war es nicht mehr als „Hallo und auf Wiedersehen“. Während andere Menschen um mich herum munter miteinander plauderten, Kontakte knüpften und sich amüsierten.

Ich war entsetzt über mich und meine Unfähigkeit, in Kontakt zu anderen Menschen zu treten. Dabei bin ich überhaupt nicht schüchtern, habe also keine Angst vor anderen Menschen. Aber ich hatte keine Ahnung, wie ich die Sache so handhaben soll, dass mir das Spaß macht. Seit der Zeit mied ich solche Veranstaltungen wie der Teufel das Weihwasser.

Nun tat ich das, was wir Introvertierten am liebsten tun: ich las Bücher und Beiträge zum Thema Small Talk und Netzwerken. Doch wie Sonja, meine liebe Trainer-Kollegin und gute Freundin, immer sagt: „Das Wissen ist der Trostpreis“.

Die Sache spitze sich immer mehr zu. Je mehr ich las, umso mehr Panik hatte ich davor, zu scheitern. Denn das, was ich an Ratschlägen las, entsprach so ganz und gar nicht meiner Art.

Jedes Mal, wenn ich mich zu einer Netzwerkveranstaltung angemeldet hatte, kam immer etwas dazwischen, ob plötzliche Kopfschmerzen oder ein anderer Termin, der doch wichtiger war – ich drückte mich mit aller Macht davor. Um Ausreden war ich natürlich nicht verlegen, ich redete mir ein, dass ich mich noch besser vorbereiten müsste, mein Elevator Pitch einfach noch nicht knackig genug war und was sonst alles.

Dieses Beispiel zeigt ganz deutlich, was passiert, wenn man in der „Nie genug“-Falle gelandet ist. Letztlich handelt es sich dabei immer um Selbstzweifel, basierend auf einem ausgeprägten Perfektionsanspruch

  • Wenn ich noch … habe/kann, dann…
  • So lange ich … noch nicht kann, …
  • Entweder ich kann das so wie … oder gar nicht.

Übung: Zu wieviel Prozent bin ich schon so weit?

Wenn 0% bedeutet – „Ich bin noch nicht mal eine Anfängerin, ich habe schlicht Null Ahnung davon“

Und 100% bedeutet – „Ich bin eine absolute Expertin und weiß alles, was es zu diesem Thema gibt“

Auf wieviel Prozent schätzt du dich und deine Kenntnisse bei einer bestimmten Aufgabe, die vor dir steht und bei der du denkst, du wärst noch nicht so weit?

Wenn du bei mehr 50% bist, dann leg los, den Rest kann man nicht theoretisch durchdringen, sondern nur im Tun lernen. Also fang an. In den Wissen, dass du noch Luft nach oben hast. Aber tu es jetzt. Sonst wirst du es nie auf 100% schaffen (wenn das mal überhaupt möglich ist).

 

Das Kernproblem dieses Barrieren-Konstruktes

Genau da sind wir beim Kern des Problems angelangt: Mit diesem gesamten Barrieren-Konstrukt bist du eigentlich nie so richtig so weit und bereit, sich anderen Menschen zu zeigen und mit seinem Business richtig durchzustarten.

Du kannst somit noch eine weitere Runde im Inneren drehen und das, was noch nicht gut genug ist und nicht bereit für die Öffentlichkeit, durchwetzen. Das passt ja sehr gut zu unserem introvertierten Gebaren. 😉

Ich habe das jetzt natürlich ironisch und sehr überspitzt formuliert, doch fühlst du dich nicht auch genauso ertappt wie ich selbst, wenn du das liest?

Und die Small Talk-Geschichte …

Willst du eigentlich wissen, wie die Small Talk-Geschichte weitergegangen ist? Irgendwann habe ich angefangen, Improvisationstheater zu spielen. Das war eine richtige Offenbarung: Je mehr ich den Perfektionsanspruch, immer das Richtige zu sagen, los lies, umso entspannter wurde ich. Ich stellte fest, dass ich auf der Bühne keine Schwierigkeiten hatte, einen Aufhänger für das Gespräch zu finden. (Kommt es dir nicht aus der Geschichte mit der spontanen Präsentation bekannt vor?)

Außerdem bekam ich Rückmeldungen, dass ich die Gabe besitze, sofort Kontakt zu Menschen aufzubauen, nur mit meinen Augen, ohne zu sprechen. Wie bitte? Das hätte ich nun gar nicht gedacht – die Selbstverständlichkeitsfalle lässt grüßen. 😉

Und eine weitere Lektion war, aufzuhören, mich mit anderen Impro-Spielern zu vergleichen – jeder hat seine Stärken und eigene Art auf der Bühne. Ich habe mich immer mehr auf mich und meine Qualitäten besonnen.

Menschen erreichst du, wenn du dich wohl in deiner Haut fühlst

Jetzt weiß ich, dass mir immer etwas einfällt, um ein Gespräch zu gestalten. Ich rede nicht übers Wetter, sondern nutze meine Beobachtungsgabe, um das Thema zu finden, das für mich und meinen Gesprächspartner interessant ist. Ich weiß, welche Fragen ich stellen kann, damit auch ein Fremder ins Erzählen kommt. Dann ist es für mich ein Leichtes, das, was diese Person sagt, aufzugreifen und eine nächste Frage zu stellen. So muss ich nicht groß über mich erzählen, was mir sehr entgegenkommt. Und der Gesprächspartner fühlt sich gut, weil er sich verstanden und interessant fühlt.

Eine ganz wichtige Erkenntnis, die ich auch immer wieder im Coaching und Seminaren bestätigt bekomme, ist folgende: besonders wir, Introvertierte, kommen dann entspannt mit interessanten Menschen in Kontakt und werden wahrgenommen – ob das nun um Bekanntschaften auf einer Veranstaltung oder um die Kundengewinnung geht – wenn wir uns mit uns selbst wohl und entspannt fühlen und uns keinen Druck machen, aus der Torte springen zu müssen.

Verstehst du jetzt, warum ich das so wichtig finde, dass du diese drei Fallen erkennst und es lernst, sie Tag für Tag zu überwinden?

Ich wünsche dir und deinem Business den Erfolg, den ihr beide verdient!

Herzliche Grüße

Deine Natalie 🙂

PS: Dieser Artikel basiert auf einem veränderten Auszug aus meinem Buch „Leise überzeugen: Mehr Präsenz für Introvertierte“

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6 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hi Natalie,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel! Erkenne mich darin zu 100% wieder! Mir sind diese drei Barrieren bereits selbst aufgefallen, aber durch deinen Artikel sind sie mir jetzt noch bewusster geworden. Besonders in den letzten Wochen meines Blog-Business arbeite ich an „einfach machen!“. Nicht immer leicht, aber nur so wachsen wir…durch Herausforderungen.

    Liebe Grüße,
    Marco

  2. Lieber Marco,

    vielen Dank für deinen schönen und ehrlichen Kommentar! Ja, die lieben Fallen, wer kennt sie nicht?!

    Erkennen und dagegen anarbeiten – mehr können wir nicht tun. Also, weiter im Takt 🙂

    Herzliche Grüße
    Natalie

  3. Liebe Natalie,
    ich weiß nicht wie lange ich schon versucht habe herauszufinden, was mich da die ganze Zeit immer wieder blockiert. Jetzt ist mir endlich ein Licht aufgegangen:-)

    Danke von Herzen für diesen wertvollen Artikel!!

    Liebe Grüße,
    Tina

  4. Hallo Natalie,
    vielen Dank für diese tollen Worte. Auch ich finde mich darin wieder. Besonders toll finde ich, dass du immer konkrete Beispiele gibst, das gibt dem Artikel viel mehr Tiefe.

    Ich musste total schmunzeln, ja, genau das mache ich auch beim Small Talk, unentwegt Fragen stellen. Es ist erstaunlich wie gerne Menschen von sich selbst erzählen.

    Ich werde sicherlich öfter hier vorbeischauen, in unserer lauten Welt finde ich es toll, wenn sich jemand explizit um die anderen 50% kümmert, die lieber leise sind und Zeit und Ruhe für sich brauchen.

    1. Liebe Jenny,

      vielen Dank für deine lieben Worte! So ein Feedback geht natürlich runter wie Öl 😀

      Ja, die meisten reden lieber von sich, dass kann man bewusst nutzen, um selbst nicht so im Fokus zu stehen und gleichzeitig als guter Gesprächspartner wahrgenommen zu werden.

      Ich freue mich auf deine weiteren Besuche 🙂

      Herzliche Grüße
      Natalie

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