Introvertiert? 3 Tipps, mit denen du ab sofort besser für dich und deine Energie sorgst

Natalie Schnack Coach für Introvertierte

Wir leben in einer Gesellschaft, die uns diktiert, wie wir zu sein haben, wenn wir ein erfolgreiches Leben führen wollen: offen, kontaktfreudig, spontan, schlagfertig, auf jeder Hochzeit tanzend und am besten mit der Verkäufermentalität gesegnet. Kurzum: extravertiert sein und sich ständig im Außen bewegen.

Und ob wir es wollen oder nicht, diese Anforderungen wirken massiv im Unbewussten. Denn schon im Kindergarten bekommen die Kinder, die gern allein in der Ecke spielen, statt mit den anderen wild zu toben, besagt, sie sollen doch raus gehen und mit anderen spielen. In der Schule soll man sich mehr beteiligen, auf jeder Party dabei sein und offener auf andere zugehen.

Kennst du solche Sprüche?

  • Nun lach doch mal!
  • Bist du nicht gut drauf?
  • Du sagst ja kaum was!
  • Mach dich mal locker!
  • Sei doch nicht so schüchtern!
  • Du bist so verschlossen.

Das nervt doch!

Dass das für viele von uns eine Tortur ist, ist kein Wunder. Denn mindestens ein Drittel der Menschheit ist introvertiert, der eine mehr, die andere weniger ausgeprägt. Und ich meine mit Introvertiert weder schüchtern noch sozialphobisch.

Es geht vielmehr um den Energiehaushalt: im Kontakt mit anderen verbrauchen Introvertierte Energie und brauchen dringend Zeit allein, um wieder aufzuladen. Extravertierte Menschen dagegen verbrauchen Energie, wenn sie unterstimuliert sind, also brauchen sie Kontakt zu anderen, um Energie aufzuladen. Das führt zu gravierenden Unterschieden in den natürlichen Bedürfnissen nach Ruhe und Rückzug oder eben nach Kontakt und Austausch.

Da wir, Introvertierte, in unserem Leben oft genug gespiegelt bekommen haben, dass unser ausgeprägtes Bedürfnis nach Ruhe, statt nach Partys, etwas Falsches ist, haben wir es oft nicht gelernt, gut für uns zu sorgen. Viele laufen am Limit ihrer Belastungsgrenze, weil sie oft denken, dass sie sonst einfach nicht belastbar sind oder irgendwie komisch. Dabei liegt es daran, dass unser introvertiertes Gehirn nun mal anders funktioniert: Wir nehmen viel mehr Informationen auf und verarbeiten sie wesentlich intensiver. Das kostet Energie und ermüdet auf Dauer.

Wenn du also dich auch schon dabei ertappt hast, dass du dein Bedürfnis nach Ruhe nicht für voll genommen hast, habe ich drei Tipps für dich, wie du künftig besser für dich sorgst:

Tipp 1: Lass dir nicht einreden, wie du bist und wie du zu sein hast!

Sehr oft wird man als schüchtern oder als arrogant abgestempelt, wenn man keine Lust hat, sich ständig zu verabreden oder an jedem Gespräch beteiligt zu sein. Natürlich kann es sein, dass ein introvertierter Mensch auch noch schüchtern ist. Aber das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Denn Schüchternheit ist Angst vor Interaktion. Introvertierte haben keine Angst, sie haben oft keinen oder weniger Bedarf am Austausch. Im Übrigen, wir lieben es auch im Austausch zu sein, nur eben in anderen Maßen und Formen, als es bei extravertierten Menschen der Fall ist. J

Daher lass dir nichts einreden! Seit dem ich ganz offen kommuniziere, dass ich als Introvertierte nun mal meine Ruhe brauche, habt sich mein Umfeld – und auch mein extravertierter Mann – daran gewöhnt. Es blieb ihnen aber auch nichts anderes übrig. Denn wenn wir es lernen, uns so zu nehmen wie wird sind und uns nichts mehr einreden lassen, kann es uns nur besser gehen.

Tipp 2: Akzeptiere deine Belastungsgrenzen!

Wenn du weder besseren Wissens von dir selbst erwartest, dass du ständig im Außen bist, ohne genügend Ruhezeiten dazwischen zu reservieren, wirst du über kurz oder lang an deine Belastungsgrenze kommen. Ich sage nur: Burnout lässt grüßen!

Ich leite z.B. gern Seminare, sogar zweitägige. Wenn ich aber 8-9 Sunden pro Tag und dann zwei Tage hintereinander ständig in der Interaktion mit anderen bin, ständig präsent bin, dann weiß ich, was ich danach brauche: Zeit für mich. Das bedeutet, in der Woche plane ich keine Aktivitäten mehr ein, in denen ich mit anderen Menschen zu tun habe. Dann will ich nur in meiner vertrauten Umgebung sein und die Dinge erledigen, bei denen ich möglichst viel für mich allein bin. Auch meine Familie weiß das und nimmt Rücksicht.

Was ist mit dir? Sorgst du nach intensiven Phasen des Austauschs für Auszeiten, in denen du aufladen kannst? Wenn nicht, dann ist jetzt die höchste Zeit!

Tipp 3: Sage nie etwas zu, bevor du darüber nachgedacht hast!

Es ist nun mal eine Tatsache, dass unser introvertiertes Gehirn mehr Zeit und Energie verbraucht bei der Informationsverarbeitung. Das heißt, wir müssen nachdenken, bevor wir wirklich bereit sind, eine qualitative Antwort zu geben. Da viele von uns allerdings gelernt haben, dass andere ungeduldig werden, wenn man nicht sofort antwortet, hat man es sich oft angewöhnt, einfach mal zuzusagen, damit man seine Ruhe hat.

Denke nur an die spontanen Verabredungs- oder Auftragsanfragen am Telefon, die man vorschnell beantwortet. Und kaum hat man aufgelegt, kommen die Bedenken oder Gründe, warum das doch nicht klappt. Und dann muss man entweder absagen, was unnötig Stress verursacht, oder versucht das doch irgendwie über die Bühne zu bringen, dann halt uf Kosten eigener Kraft. Das ist echt blöd!

Daher empfehle ich dir einen Satz auswendig zu lernen, der wirklich Wunder bewirkt. Und sage NIE, wirklich NIE etwas zu (oder auch ab), bevor du nicht die Zeit hattest, darüber nachzudenken.

Dieser wundersame Satz lautet: „Danke, ich melde mich morgen dazu.“

Denn oft sagen wir viel zu viele Termine zu, ohne darauf Rücksicht zu nehmen, ob wir genug Ruhezeiten dazwischen haben. Ich hatte z.B. früher dank meines kontaktfreudigen Mannes an manchen Wochenenden mehrere Veranstaltungen im Kalender stehen. Und auch beruflich habe ich mich mit Terminen zugeballert.

Heute überlege ich erst ganz genau, bevor ich etwas zusage. Da rufe ich lieber noch mal zurück oder antworte schriftlich – das ist eh für uns viel angenehmer, als zu telefonieren.

Und so habe ich viel leichteres und mir und meiner Persönlichkeit entsprechendes Leben.

Denke immer daran, wenn du introvertiert bist – du bist weder ein wandelnder Defekt, noch bist du irgendwie eigenartig. Du hast nun mal deine Bedürfnisse. Wenn du das akzeptierst und danach lebst, dann steht weder deiner Belastbarkeit, noch deinem Erfolg etwas im Wege. Ich wünsche dir ganz viel Freude dabei!

Herzliche Grüße

Deine Natalie

 

Ps. Diesen Artikel habe ich für das Selfcare-Event von Jessica Lütge geschrieben: Sorge gut für dich selbst, Introvertierte!

 

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8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Natalie,

    das sind großartige Tipps!!! Vor allem der zweite und der dritte, die sind gerade für uns Selbständigen so absolut überlebenswichtig.

    Und – wie das so ist – man stimmt ja am liebsten Tipps zu, die man wenigstens schon teilweise beherzigt 🙂

    – Nach Webinaren – das weiss ich mittlerweile – brauche ich den Rest des Tages frei. Also ich räume auf, ich spiele mit den Kids, fahre Fahrrad oder ähnliches. Und möchte nicht mehr kommunizieren. Die Mail, die nach dem Webinar an die Teilnehmer rausgeht ist vorgeschrieben, es muss nur noch das Video mit der Aufzeichnung in eine Seite reingesetzt werden und fertig. Ist zwar nicht ansatzweise vergleichbar mit dem Stress eines Präsenz-Seminars, aber das gleiche Prinzip.

    – Dein NIE-NIE-NIE Satz habe ich schon sehr verinnerlicht. Ich muss zwar immer noch manchmal (selten!) Sachen nachträglich absagen oder verschieben, weil ich zu spontan „JA“ gesagt habe, aber in den allermeisten Fällen warte ich mit einer Antwort – und sage nur noch sehr ausgewählte Sachen zu (auch wenn mir dadurch sicher Chancen entgehen!). Da ich von vielen Leuten Anfragen wegen aller möglichen Dinge bekomme, führe ich eine kleine Liste „wartet auf Antwort“, die ich ca. einmal die Woche abarbeite.

    Also, super, ich werd’s der Welt erzählen, dass es diesen schönen Artikel gibt – und dann mal wieder Schotten runter und weiterarbeiten 🙂
    Lieber Gruß und schönes Wochenende
    Marit

  2. Liebe Marit,

    wie super! Vielen Dank für deinen Kommentar und die Einblicke in deinen Umgang mit der Energie!

    Ja, ganz besonders wir, introvertierte Solo-Unternehmer müssen da arg aufpassen, um nicht auf zu vielen Hochzeiten zu tanzen, es gibt zu viele Verlockungen.

    Viel Erfolg weiterhin und ganz herzlichen Dank für die Weiterempfehlungen!

    Herzliche Grüße
    Natalie 😀

  3. Liebe Nathalie,
    danke für den tollen Bericht und die Tipps.
    Auch wenn ich die Dinge eigentlich ja weiß, so ist es immer wieder schön auch von anderen noch mal daran erinnert zu werden und die Ja/Nein Gewohnheiten noch mal unter die Lupe zu nehmen, und sich selber an die Nase zu fassen.
    Alles Liebe
    Ortrun

  4. Liebe Nathalie,
    eigentlich empfinde ich meine Introvertiertheit,
    als totalen Makel.

    Wie gerne wäre ich präsenter und eine „Rampensau“

    Doch wenn ich deine Artikel oder Audio höre,
    komme ich zum ersten Mal auch mit den Besonderen und Schönen in Berührung
    Ich bin nicht fehlerhaft, nur tiefgründiger 🙂

    Ich Danke dir von Herzen ,das du uns zeigst, dass wir gut so sind wie wir sind!

    1. Liebe Tina,

      vielen Dank für deinen so ehrlichen Kommentar.
      Ich freue mich sehr, dass ich an deinem eher ungünstigen Bild von deiner Introversion etwas gerüttelt habe 🙂
      Lass uns immer mehr das Schöne und Besondere an uns entdecken!

      Alles Liebe für dich, und denk immer daran, du bist absolut ok so, wie du bist!

      Herzliche Grüße
      Natalie 🙂

  5. Liebe Natalie,

    Tipp 1 und 2 habe ich zum Glück schon lange für mich entdeckt.

    Manchmal durchaus zum Leidwesen des anderen am anderen Ende der Telefonleitung, wenn er – in seiner Ungeduld auf eine Zusage – erst mal 5 Minuten auf meinen Rückruf warte muss. Aber ich brauche diese Zeit für mich, ganz ohne das Störrauschen des Erwartungsdrucks von meinem Gesprächspartner, um gute Entscheidungen zu treffen – auch wenn ich sonst allgemein sehr spontan bin. Ist ja dann auch zum Vorteil des anderen, wenn ich nicht im Nachhinein wieder alles umstricken muss.

    Tipp 1 finde ich relativ leicht, schließlich bin ich mir ja als Introvertierte selber genug. Ok, mit 20 war das schon eine Herausforderung, aber nun genieße ich die Vorteile des älter werdens 😉

    Tipp 2 muss ich noch „üben“. Mir fällt es noch immer schwer meine Belastungsgrenzen im „intensiven Austausch mit anderen“ zu erkennen, ernst zu nehmen und mich dann zurückzuziehen.

    Danke für deine Arbeit, die gibt Rückenwind 🙂

    Ich freue mich schon auf deine Artikel, wie man als introvertierte Solounternehmer sein (Online) Marketing gerockt bekommt!

    Liebe Grüße,
    Chris

  6. Liebe Chris,

    vielen Dank für deinen schönen Kommentar! Ja, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und darauf zu hören, gerade im Kontakt mit anderen, ist eine echte Aufgabe für unser eins. Schließlich hat man uns immer beigebracht, dass ebendiese Bedürfnisse nicht richtig sind. In einer Gesellschaft, in der alles auf Austausch, immer im Außen und schnell sein ausgerichtet ist, dürfen wir es als Erwachsene mühsam lernen, dass unsere Art ebenso ihre Berechtigung hat, wie jede andere.

    Vielen Dank für das Feedback und deine Themenwünsche! Ja, (Online)-Marketing und überhaupt alles was Business-Aufbau zu hat hat, auf unsere Bedürfnisse bezogen, stehen in der Pipeline. Es wird kommen!

    Herzliche Grüße
    Natalie 🙂

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