So kommst du auch als Smalltalk-Hasser gut durch jede Veranstaltung

Introvertiert auf Veranstaltung

Es ist mal wieder so weit: der Advent steht direkt vor der Tür. Und Adventszeit ist ja bekanntlich die Zeit der Weihnachtsfeiern. Jahr für Jahr wird von einer Veranstaltung zu anderen gepilgert: Unternehmensfeier, Netzwerkveranstaltungen, Weihnachtsbazar in der Schule der Kinder, Adventsumtrunk bei den Schwiegereltern …

Viele haben Freude daran und können gar nicht genug davon bekommen. Es gibt aber mindestens genau so viele, für die diese alljährliche Tortur ein Graus ist: für uns, all die Smalltalk-Hasser, Netzwerkscheue und all die, die lieber diese Zeit in den eigenen vier Wänden verbringen. 😉

Andererseits ist es natürlich wichtig, sich nicht komplett zurück zu ziehen. Denn solche Veranstaltungen können auch Spaß machen, wenn man sich erstmal darauf eingelassen hat. Denn hier kann man Kontakte zu Kollegen anderer Bereichen des Unternehmens pflegen oder auch mit dem Chef in einer entspannten Atmosphäre an der Bar über die nächste Gehaltsrunde zu plaudern,  sich mit anderen Eltern auszutauschen und überhaupt neue Menschen kennenlernen.

Doch was tun, wenn einem allein bei dem Gedanken daran die Haare zu Berge stehen und panische Atemnot einsetzt? Was machen, wenn man sich ewig fehl am Platze fühlt und unverrichteter Dinge mit schlechtem Gewissen irgendwann mal davon stiehlt, nachdem man allein in der Ecke herumgestanden ist?

Ich habe einige Tipps zusammen gefasst, mit denen du dich gut auf solche Veranstaltungen vorbereiten kannst und dich entspannter als sonst darauf einlassen kannst.

Und das Gute ist, diese Tipps kannst du für jede andere Veranstaltung zu jeder Jahreszeit nutzen!

Der wichtigste Tipp vorweg: Nimm den Druck heraus

Viele Introvertierte mögen solche Veranstaltungen nicht, weil sie denken, sie MÜSSEN da auf Biegen und Brechen Kontakte machen und Small Talk betreiben. Weil MAN es halt so macht!

Das ist alles Quatsch. Ich kann dir aus eigener Erfahrung Folgendes berichten:

So lange ich mich unter Druck gesetzt habe, dass ich mich mit möglichst vielen Menschen unterhalten müsste oder möglichst viele neue Kontakte zu machen, so lange ich dachte, ich muss irgendwelchen Ansprüchen beim Small Talk genügen, fühlte ich mich sau-unwohl und hatte kaum Positives erlebt. Meist fühlte ich mich als Versagerin und warf mir im Nachhinein vor, was ich alles nicht geschafft habe.

Seit ich mir erlaube, einfach so da zu sein, ohne viele weiteren Ansprüche an mich selbst, fühle ich mich wesentlich wohler. Und anscheinend wirke ich auch wesentlich entspannter und damit offener, so dass ich jetzt auf solchen Veranstaltungen viel mehr spannende Gespräche führe.

Ich habe im Übrigen gar keine Hemmung mehr zu sagen: „Wissen Sie, ich mag keinen Small Talk, weil ich introvertiert bin.“ Und schon sind wir  mitten im Gespräch zu den Themen, die mich wirklich interessieren. Denn die wenigsten wissen, was Introversion wirklich bedeutet und fragen danach, so dass ich gleich davon sprechen kann, was ich liebe.  Oder sie sagen sogar zu mir: „Ach wissen Sie, den Small Talk mag ich auch nicht, ich bin froh, dass Sie das sagen.“ Und schon lachen wir darüber und steigen in ein spannendes Gespräch ein.

Wenn wir selbst entspannt mit uns und unserer Art umgehen und nicht versuchen etwas vorzugeben, was wir nicht sind, dann macht es uns das Leben in allen möglichen Situationen viel einfacher – das ist das, was ich gelernt habe.

 

Was kannst du vor der Veranstaltung für dich tun?

1. Überlege dir, was du davon hast

Du gehst ja aus einem bestimmten Grund dahin: entweder, weil die Veranstaltung wichtig ist für dich, weil du grundsätzlich mehr aus dir heraus möchtest. Ich hoffe nicht, dass du das allein aus der Verpflichtung tunst, also weil du der Meinung bist, du musst es. Wenn das wirklich der einzige Grund ist, dann empfehle ich dir Folgendes: Lass es, sag es ab, erspare es dir! Denn wenn du nur aus Verpflichtung allein etwas tust, genauso siehst du dann auch aus und strahlst die Unlust aus allen Poren raus. Damit schadest du dir viel mehr, als wenn du einfach weg bleibst. Glaube es mir!

Ich gehe allerdings davon aus, dass du noch andere Gründe hast. Führe dir diese Gründe ganz klar vor Augen!

2. Nimm dir ein klares Ziel vor

Und nimm dir ein ganz klares Ziel vor, das du auf dieser Veranstaltung erreichen willst, auch wenn es dich etwas Mut erfordert. Du kannst dir z.B. vornehmen, die erste Person, die zu deiner Linken steht, anzusprechen oder 5 Kollegen aus den anderen Abteilungen zu begrüßen. Du kannst dir vornehmen, endlich deinen Schwiegereltern von dem zu erzählen, was dich gerade beruflich beschäftigt. Oder 3 andere Mütter auf dem Bazar anzusprechen.

Deiner Phantasie sind da keine Grenzen gesetzt. Nimm dir etwas vor, was dich reizt, woran du Spaß entwickelst, auch wenn das Kribbeln auslöst und etwas Mut erfordert. Dabei geht es überhaupt nicht darum, dass du dir Dinge vornimmst, die dir überhaupt nicht liegen. Es geht nur um eine leichte Herausforderung. Auf gar keinen Fall solltest du dich mit deinen Zielen überfordern. Denn das geht nur nach Hinten los: kein Spaß, sondern Druck und Stress – das wäre ja wirklich kontraproduktiv.

Wenn du dir aber ein Paar Sachen vornimmst, die du dir gut vorstellen kannst, auch wenn sie dich etwas herausfordern, dann hast du einen klaren Fokus und hast nicht das Gefühl, sinnlos deine Zeit totzuschlagen. 🙂

3. Stelle Ansprechpartner sicher

Du kennst doch sicher viele Leute. Überlege dir, mit wem du gern etwas Zeit auf der Feier verbringen willst. Kontaktiere diese Personen im Vorwege und verabrede sich mit denen. So weißt du genau, dass du vor Ort nicht alleine bist.

4. Übe deine Kurzvorstellung

Wenn es klar ist, dass du nicht alle Menschen auf der Veranstaltung persönlich kennst, überlege dir, wie du dich vorstellen möchtest. Willst du dich nur mit dem Namen vorstellen? Gerade bei beruflichen Veranstaltungen ist es super, wenn du eine kurze und knackige, und für jeden klar verständliche, Vorstellung parat hast, was du beruflich machst. So bist du nicht überrascht, wenn du neue Menschen kennenlernst und musst dir nicht etwas spontan einfallen lassen. Das macht die Sache wesentlich entspannter.

5. Kleidung und Utensilien

In deiner Lieblingskleidung fühlst du dich gleich viel besser. Suche etwas aus deinem Kleiderschrank heraus, was du sowohl gern trägst, als auch was zum Anlass der Veranstaltung passt. Wenn du dir nicht sicher bist, frag einfach beim Veranstalter nach, ob es einen bestimmten Dresscode gibt oder andere, was sie anziehen.
Denke auch an Visitenkarten, Schreibzeug, Taschentücher und, wenn du zum Schwitzen neigst, an Deo.

6. Plane deine Anreise

Fahr oder gehe rechtzeitig los, so dass du genügend Zeit hast, den Veranstaltungsort zu finden. Sei kurz vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung da. So hast du die Chance, mit den Veranstaltern oder den wenigen Besuchern, die ebenfalls so früh da sind, leichter in Kontakt kommen.

Du kannst auch deine Hilfe bei den letzten Vorbereitungen anbieten. Dann stehst du nicht irgendwo in der Ecke herum, sondern hast etwas zu tun und gehörst dazu.

7. Sorge für gute Laune

Tu dir kurz bevor du den Veranstaltungsort betrittst etwas Gutes: Höre deine liebste Gute-Laune-Musik, trinke auf dem Weg deinen Lieblingscappuccino, rieche an deinem Lieblingsparfüm, erinnere dich an deinen Lieblingswitz und lach dir eins ins Fäustchen :-D.

Das alles sorgt für eine positive Stimmung. Wecke etwas von der kindlichen Neugier in dir, die Neugier auf andere und auf all das Neue was dir begegnen wird. Auch in der Ecke sitzend menschliche Beobachtungsstudien zu betreiben, kann unglaublichen Unterhaltungsfaktor haben. Freu dich darauf!

 

Was kannst du auf der Veranstaltung tun?

1. Lass dich „verkuppeln“

Bitte den Gastgeber, dich mit anderen bekannt zu machen. Für Veranstalter ist es nichts Besonderes und du hast von Anfang an eine Person, die du kennenlernen kannst und die es dir leicht machen wird.

2. Nutze die Sicherheitszone am Rand 

Viele zurückhaltende Menschen halten sich lieber am Rand des Veranstaltungsortes auf. Das ist ja auch super. Der Rand ist sogar ein wichtiger Ort, um zwischendurch immer mal wieder zur Ruhe zu kommen und fühlt sich sicher an. Nutze das, wenn du das Gefühl hast, es wird dir zu viel.

Außerdem kannst du dieses Gefühl der Sicherheit gut zur Kontaktanbahnung nutzen. Denn wenn du dich am Rand aufhältst und dich da entspannst, dann kann es sein, dass dir diese Entspannung ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Und dann schau mit dieser Entspannung die Menschen, die auch am Rand stehen interessiert an.

Erstmal wird dir klar, dass du nicht die einzige Person bist, die sich gern am Rand aufhält, was auch wieder beruhigend ist. Und dann kannst du deine Neugier dazu nutzen, um dir ein paar Gedanken über diese Person zu machen. Frage dich im ersten Schritt, wer das wohl sein kann und was er/wie sie Spannendes zu berichten hat. Stelle Vermutungen an, vielleicht erzählst du dir eine richtige Geschichte über diesen Menschen. Du kannst deiner Phantasie vollen Lauf lassen.

Das Gute ist, während du so darüber nachdenkst, bist du von dir selbst abgelenkt. Das entspannt auch wieder. Und wenn diese Person dich dann anschaut (das wird garantiert passieren, denn die Menschen spüren Blicke), wende dich nicht ab und senke nicht den Blick, sondern nicke lächelnd zu. Das ist eine sehr dezente und schöne Art der Kontaktaufnahme. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr groß, dass diese Person auf dich zukommen wird. Oder wenn sie dir zurück nickt, dass du Lust hast, zu ihr zu gehen. Bei der Gelegenheit kannst du auch deine selbstausgedachte Geschichte über diesen Menschen überprüfen, indem du ein paar Fragen stellst. 🙂

3. Ab durch die Mitte!

Wenn du eine Zeitlang am Rand verbracht hast, dann gehe einmal langsam quer durch den Raum. So als kleine Challenge. 😉

Du kannst entweder zügig gehen oder, wenn du dich etwas mehr fordern willst, bleib nach jedem dritten Schritt stehen und schau dich interessiert um. Was passiert um dich herum?

Wenn du am anderen Rand angekommen bist, bleib eine Zeit lang in dieser Sicherheitszone und dann, wenn du dich wieder wohl und sicher fühlst, mach einen weiteren Gang quer durch den Raum. So hast du das Gefühl, du mischst dich buchstäblich unter die Leute. Genieße es!

Setze dich auf keinen Fall unter Druck, dass da mehr passieren muss. Aber bleib natürlich immer offen für ein Gespräch auf dem Weg. Deine zugängliche Ausstrahlung und dein interessierter Blick laden womöglich andere ein, dich anzusprechen.

5. Andere Personen ansprechen

Wenn du keinen Gesprächspartner hast, bist du sicher nicht die einzige Person, der es so geht. Schau dich ganz offen um. Es ist gut, dass andere mitbekommen, dass du für ein Gespräch bereit bist. Schaut eine einzeln stehende Person dich auch an, dann nicke ihr lächelnd zu. Nickt sie zurück, dann gehe langsam und mit Blickkontakt auf diese Person zu. Dann brauchst du dich nur kurz vorzustellen, und die Frage stellen: „Und Sie?“ Und schon bist du im Gespräch! Je mehr Fragen du stellst, desto mehr erfährst du über diesen Menschen. Und wer weiß, vielleicht fällt damit der Small Talk kürzer aus oder gar ganz weg. 😀

6. Büffet als Kontaktort nutzen

Am Büffet in der Schlange entstehen ganz ungezwungen oft die spannendsten Gespräche. Wenn du nicht gerade stur geradeaus an allen anderen Schlangennachbarn vorbeiblickst, wird sich ganz sicher ein Kontakt ergeben. So hast du schon wieder jemanden kennengelernt oder wieder getroffen und hast so die Gelegenheit, später noch einmal auf die Person zuzugehen.

7. Gib dir von vornherein die Erlaubnis zu gehen!

Du musst die Veranstaltung nicht bis zum Ende besuchen. Du kannst jederzeit gehen. Diese Erlaubnis ist sehr wichtig, damit du keinen unangenehmen Druck spürst und dich anfängst unwohl zu fühlen. Natürlich ist es wichtig, dass du dir die Chance gibst, die Ziele, die du dir vorgenommen hast, auszuleben, auch wenn du am Anfang ein wenig fremdelst. Lass dir Zeit, dich zu akklimatisieren und mit anderen ins Gespräch zu kommen. Und wenn du den Weggeh-Impuls verspürst, bleib noch 10-15 Minuten länger, vielleicht ergibt sich ja etwas Neues. Wenn nicht, dann gehe zufrieden nach Hause. Schließlich warst du da, und das reicht schon mal und darf definitiv als Erfolg verbucht werden. Ganz unabhängig davon, ob du viele Kontakte hattest. Siehe es als ein entspanntes Übungsfeld. Dann wirst du dich bei der nächsten Veranstaltung sicher etwas wohler fühlen und dich mehr trauen!

Viel Spaß bei deiner nächsten Veranstaltung – Sei gut zu dir und bleib neugierig!

Herzliche Grüße

Natalie 🙂

 

PS: Welche Erfahrung hast du mit solchen Veranstaltungen gemacht? Berichte mir hier direkt im Kommentar!

 

Bild-Quelle: pixabay.com – LEEROY Agency

Willst du über die neuen Tipps

informiert werden?

Hidden Content

7 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Natalie,
    Deine Tipps kommen natürlich genau zur rechten Zeit 🙂 und sie sind alle umsetzbar und machbar. Ich habe gleich heute die Möglichkeit sie alle einmal durchzugehen. Einen „Mitläufer“ habe ich bereits angemailt. So dürfte es machbar sein. Ich finde es ganz besonders schlimm, allein in eine große Runde zu kommen. Danke für Deine herzerfrischenden Tipps, man merkt ihnen klar an, dass Du genau weißt, wie es sich anfühlt. Bevor ich Dich kennen gelernt habe, hielt ich mich selbst für extrovertiert, nun aber weiß ich, dass man nicht schüchtern sein muss, um introvertiert zu sein. Beziehungsweise, dass man unterhaltsam sein kann und dennoch introvertiert. Freue mich auf Deine Artikel (immer wieder) und wünsche Dir eine tolle, angenehme, beschauliche und schöne Vorweihnachtszeit. Herzlichst Lilli (Elke Dola)

    1. Liebe Elke,

      vielen Dank für deinen wertschätzenden Kommentar! Freue mich sehr, dass meine Tipps gerade passend kommen 🙂
      Ja, ich weiß ganz genau, wie es ist. Früher habe ich es wirklich gehasst, allein in einen Raum voller Fremden zu treten. Auch heute gehört es nicht gerade zu meinen Lieblingsaufgaben ;-). Dennoch habe ich gelernt, mich da zu entspannen, in dem ich nichts (oder kaum etwas) von mir erwarte. Ich glaube, dass der Leistungsdruck an der Stelle komplett kontraproduktiv ist. Und seit dem läuft es viel besser und ich lerne viel mehr Menschen kennen auf eine entspannte Art, als früher, als ich dachte, ich müsse das und jedes.

      Dir daher entspannte Veranstaltungen und berichte mal, wie das mit dem Umsetzen der Tipps funktioniert hat! Würde mich sehr freuen 🙂

      Herzliche Grüße und eine schöne Adventszeit
      Natalie

  2. Liebe Natalie,

    vielen Dank für die Tipps. Ich bin introvertiert und HSP und habe mir deshalb schon vor langer Zeit einiges angeeignet, was du erwähnt hast.
    Ich bin früher zu allen Netzwerktreffen hingegangen, die es gegeben hat. Das mache ich nicht mehr, da ich in solch einer großen Masse unruhig werde. Ich gehe heutzutage viel seltener hin. Manchmal entscheide ich sogar kurz vorher auch, dass ich einfach nicht hingehen möchte.
    Wenn ich aber einmal da bin, suche ich mir zuerst immer eine Person, die ich kenne oder die mich irgendwie anzieht. Ich komme dann sehr schnell ins Gespräch. Und das war auch immer positiv. Ich muss gestehen, dass auch viele direkt auf mich zukommen. Das ist natürlich auch sehr interessant.
    Einen Tipp von dir werde ich beim nächsten Treffen aber einfach mal ausprobieren: direkt zu sagen, dass ich introvertiert usw. bin. Da bin ich mal gespannt.

      1. Liebe Rosel,

        vielen Dank dafür, dass du deine Erfahrungen teilst!
        Ja, dass die Menschen dich ansprechen, ist doch ein wunderbares Zeichen und zeugt davon, dass du offensichtlich eine Offenheit ausstrahlst. Daran merkt man ja, wie wichtig das ist.

        Ich bin sehr gespannt, wie es dann gelaufen ist, wenn du den Tipp ausprobiert hast. Berichte mal bitte!

        Herzliche Grüße und eine ruhige Adventszeit
        Natalie 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.