Ob du Smalltalk kannst, sagt nicht das Geringste über dich aus!

Introvertierte kommunizieren anders

In der letzten Woche hatte ich die Idee, meine Leser zu fragen, ob sie Interesse an dem Thema Smalltalk haben. Ich selbst mag ihn nicht wirklich und manchmal nervt er mich entsetzlich. 😉

Ich höre ständig von Menschen, die so wie ich eher introvertiert sind, dass sie sich mit dem Smalltalk echt schwer tun. Jetzt könnte ich sagen: „Ok, wenn du ihn nicht magst, dann lass es einfach!“ Ja, das geht. Ich habe mich vor einigen Jahren schon entschieden, dass ich mich weitestgehend dem Smalltalk verweigere oder so minimiere, dass ich damit gut komme. Und ich lebe noch, und zwar besser als davor 😉

Du musst gar nichts, schon gar keinen Smalltalk!

Das Problem taucht ja dann auf, wenn man sich deswegen irgendwie ungenügend findet. Denn uns wird ja immer wieder in unserer Gesellschaft eingehämmert, wie wichtig der erste Eindruck ist und wie wichtig es ist, Smalltalk zu beherrschen.

Ich will jetzt hier nicht behaupten, dass die Beherrschung von solchen Annäherungsmethoden keinen Nutzen hat. Natürlich, wenn man sie kann und sie einem liegen, bitte sehr! Was mich komplett nervt, ist die Kopplung der Beherrschung von der Fähigkeit, Oberflächlichkeiten auszutauschen und dem Wert einer Person.

Hältst du diese Behauptung von mir für überzogen? Dann frag dich selbst und andere Nicht-Rampensäue wie gern sie zu Netzwerkveranstaltungen gehen, wo sie keinen kennen? Und wie wohl sie sich da fühlen bei dem Gedanken, mit jemanden oberflächliches Geplänkel zu führen? Ich sage nur: Vorstellungsrunden 😉 Kommt man sich da nicht oft „ganz klein mit Hut“ vor? Na also!

Nun kannst du jetzt sagen: „So ist es halt.“ Und ich sage: „Das akzeptiere ich nicht!“ Es gibt keine Regel ohne Regelbruch. Und dass man unbedingt Smalltalk beherrschen muss, um andere Leute kennenzulernen ist nichts anderes als ein Glaubenssatz, eine Überzeugung, die man durch eine gegenteilige ersetzen kann. Wieso denn nicht?!

Denn meine Überzeugung ist: Ob ich Smalltalk kann & mag oder nicht, sagt nicht das Geringste über dich und mich als Menschen aus!

Ein etwas anderer Gesprächseinstieg?

Und deswegen kann ich auch in ein Gespräch einsteigen mit: „Hallo, mein Name ist Natalie und sage gleich, Smalltalk nervt mich. Ich interessiere mich aber sehr für Sie als Person und dafür, was Sie über X denken. Hätten Sie Lust, sich mit mir darüber zu sprechen?“. Es mag ungewöhnlich sein. Und einige können denken, dass ich mit der Tür ins Haus falle. Na und?! Mir gefällt es! Und der Andere weiß gleich, woran er ist.

Liebe Smalltalker, bitte nicht angegriffen fühlen!

Ich sehe schon die Entrüstungsstürme und ungnädige Kommentare, die ich mit meinen Aussagen provoziere. Regt euch nicht auf! Es ist meine Meinung. Ihr habt Eure eigene. Wie können gern darüber reden. Aber sachlich, bitte schön 😉

Du siehst, ich habe meine ganz eigene Meinung dazu und will in der nächsten Zeit mich ausführlicher mit dem Thema Smalltalk beschäftigen, weil es in meinen Augen ganz viele andere Themen berührt. Natürlich werde ich für die, die es interessiert, auch Tipps & Tricks liefern, dafür plane ich Interviews mit Fachleuten.

Und wer weiß, vielleicht verändere ich sogar am Ende ein wenig meine Einstellung dazu, wer weiß das schon. 🙂

Ich freue mich jedenfalls, wenn ich dich dieses Thema interessiert. Kommentiere jetzt dazu unten.

Herzliche Grüße

Natalie 🙂

Ps.: Ausgewählte Fragen & Rückmeldungen, die ich auf meine Aufruf bekommen habe

„… ein Thema beim Smalltalk, den ich weder (leiden) kann noch lernen will, ist, wie ich nicht allzu aggressiv, genervt, abwehrend darauf reagiere, so dass ich das evtl doch auch darin liegende Kontaktangebot aufgreifen, „nutzen“ kann – – – den Ball zurück spielen.
Verstehst Du, meine Abwehr, wer mich „zulabert“, will/kann eigentlich Garnichts Substanzielles zu sagen haben und stiehlt mir nur meine Zeit, im Zaum zu halten.“

„… ob du dich auch schwer mit dem Small Talk tust?

Kommt auf die Situation an. Mal ein paar Sätze übers Wetter plaudern geht schon – manche (z. B. ältere Menschen) macht das manchmal schon glücklich.

welche Fragen du dazu hast?

Ein paar Tipps, wie man über das „Wetter-Thema“ hinaus im Gespräch bleiben kann, ohne gleich zu aufdringlich oder neugierig, aber trotzdem nicht oberflächlich zu wirken wären toll.
in welchen Situationen deine Schwierigkeiten auftauchen.
Ich glaube bei mir sind das am ehesten Situationen, in denen man Menschen trifft, von denen man die Rahmenbedingungen schon kennt, aber keinen engeren Bezug hat.
Wenn man jemanden schon lange nicht mehr gesehen hat, kann man die typischen „Was arbeitest du jetzt“, „Hast du Kinder“, „Bist du verheiratet“ oder ähnliches fragen.
Wenn man dies schon alles weiß, aber keinen näheren Kontakt hat, wird es schwieriger, finde ich. (Und, läuft’s in der Ehe?, Schwierigkeiten im Job? oder ähnliches frägt man ja nicht, wenn man sich nicht näher kennt, oder? ;-))

welche Inhalte von mir dich wirklich weiter bringen würden?

Wie oben beschrieben, mal weg vom Standard. Wie man über das „Wetter-Thema“ hinaus im Gespräch bleiben kann, ohne gleich zu aufdringlich oder neugierig, aber trotzdem nicht oberflächlich zu wirken.
Hoffe, das hilft dir weiter 🙂
Ob als Blogartikel, Video oder Audio – eigentlich egal.
Wenn du was besonderes machen möchtest, könntest du ja mit jemandem zusammen Beispiel-Szenen im Video vorspielen 🙂

„Die Frage ist ja mehr etwas Grundsätzliches. Mir begegnet dieses Thema auf Netzwerkevents. Worüber reden, wenn nicht erst einmal Smalltalk? Kenne ich dort Jemanden , kann ich auch andere Gespräche führen. Kenne ich Niemanden, fühle ich mich unwohl und will am liebsten gar nicht sprechen. Aber dann hätte man ja auch zu Hause bleiben können. Du siehst also das Dilemma. Deine Tipps hierzu sind sehr willkommen!“

„Also seit wir einen Arbeitskollegen haben, der ungelogen nach jedem seiner online Poker Abende die Zeit hat während des Tages bis zu 15 Kollegen von uns in fast selben Textzeilen diesen Vorabend zu schildern,und seit er versucht hat, mirs zweimal zu erzählen, ist smalltalk für mich noch drei Ebenen tiefer im Grad der Bedeutung gesunken-und ich dachte auch lange,ich müsse MICH ändern, weil ich etwa zu desinteressiert sein würde an Menschen.“

„Ich kann Small Talk nicht. Früher dachte ich, das wäre ein Fehler.
Doch heute weiß ich, dass ich nichts muss, auch nicht small talken.
Ein Gespräch ergibt sich entweder zwischen zwei Menschen durch die gemeinsame Energie, oder nicht.“

„Ich bin von Beruf Pfarrerin. Da ist Smalltalk ein wichtiges Instrument der Kontaktpflege im Alltag. Es wird auch erwartet, dass ich mit allen Leuten rede, die so treffe. Hast du da für mich einen Tipp, wie ich damit umgehen kann?“

„Wenn jemand mit mir Smalltalk halten möchte, der mir von vornherein unsympathisch ist, dann ist es mir unangenehm und weiß nicht wie ich aus dieser Situation raus komme. Hingegen, wenn mich eine Person interessiert, dann finde ich einen Smalltalk als guten Einstieg, weil ich davon ausgehe, dass es sich bald zu einem richtig interessanten Gespräch entwickeln wird.
Sollte es jedoch nicht zu dem gewünschten Gespräch führen, dann wird es krampfig, fühle mich unwohl und weiß wieder nicht wie ich mich verhalten soll.
Daher finde ich dieses Thema sehr wohl interessant.“

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Natalie,

    ich vertrete zum Gesprächsstart mit einem kleinen, untiefgründigen Austausch – also zum Small Talk – eine ganz andere Auffassung. Und das liegt ganz sicher nicht daran, dass mir der Gesprächseinstieg so superleicht fällt. Im Gegenteil.

    Tatsache ist: Ich tue mich mit jedem Gesprächseinstieg schwer, wenn ich einen Menschen noch nicht kennengelernt habe.
    Und die Small-Talk-Floskeln bieten ein Ritual, das mir und meinem Gesprächspartner in dieser unsicheren Situation eine Art Geländer gibt, an dem wir uns einvernehmlich entlangbewegen können, bis wir eine gemeinsame Gesprächsgrundlage entdeckt haben.

    Es geht dabei überhaupt nicht um Inhalt – ich glaube dass darin das große Missverständnis bei Introvertierten im Bezug auf Small Talk besteht.
    Wir denken, wenn wir etwas sagen, müssten wir damit tiefe Inhalte übermitteln.
    Nö. Beim Small-Talk wollen wir nur die Zeit überbrücken, bis wir einen Menschen so weit kennengelernt haben, dass wir uns entscheiden, ob wir im weiteren Verlauf tiefe Inhalte austauschen.
    Für die Kommunikations-Fachleute unter den Lesern: Es geht um Rapport. Nix weiter.

    Ich empfinde introvertierte Mitmenschen, die das Kennenlern-Ritual als oberflächlich ablehnen, als arrogant. Aber ich gestehe natürlich jedem zu, die Kommunikations-Gepflogenheiten nicht zu nutzen und keinen netten Kontakt zu mir aufzubauen…

    1. Hallo Christina,

      danke für deine Meinung. Ich kann das was du beschreibst sehr gut nachvollziehen und freue mich für dich, dass du dich mit dem Small Talk angefreundet bist. Dass du die Menschen, die solche Rituale ablehnen für arrogant hälst, ist deine subjektive Meinung, die ich akzeptiere und so stehen lasse. Ich sehe es ganz anders. Ich finde, dass es keine Regel ohne Ausnahme gibt und nehme mir die Freiheit solche Regeln, die ich nicht so annehmen will, nach meinem Gusto flexibel zu handhaben oder gar zu brechen. Das ist meine Meinung. Nicht mehr und nicht weniger.

      Herzliche Grüße
      Natalie

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