Beantwortest du deine Fragen lieber selbst? Ein Hoch auf die Kaffeesatzleserei!

Natalie Schnack Mindset

„Das machen sie bestimmt nicht.“ „Das wird nicht klappen.“ „Er sagt sowieso Nein.“ „Sie wird garantiert nicht mit mir sprechen.“ „Das interessiert ihn sicher nicht.“ „Darauf lassen sie sich auf keinen Fall ein.“

Ist das nicht eine tolle Errungenschaft, dass wir Menschen – ganz anders als Tiere – uns selbst Antworten auf die Fragen geben können, statt betreffende Personen zu fragen? Wozu sich Mühe machen und womöglich eine Abfuhr abholen, wenn man es auch von vornherein selbst erledigen kann?!

Achtung, Ironie! 😉

Mal angenommen, du überlegst schon seit 2 Jahren, deinem Stammkunden die Preiserhöhung zu präsentieren. Oder deinen Chef nach einer Gehaltserhöhung zu fragen.

Stell dir nur mal vor, er sagt Nein. Wie stehst du denn da?

Ist doch viel besser, wenn du dir die Frage auch weitere 10 Jahre mit einem überzeugten: „Er sagt sowieso Nein“, beantwortest. Und fertig ist die Sache.

Man muss sich ja nicht alle Wünsche auf einmal erfüllen, oder?!

Oder wenn du schon seit Jahren davon träumst, dass deine Frau den ewig geplanten Männerurlaub mit Ihren Kumpels auf Mallorca genehmigt.Wozu den Stress und die Verbannung auf die Couch riskieren? Man kann doch von vornherein sich selbst bestätigen, dass sie sich darauf niemals einlässt. Ist doch viel effizienter. Und den Traum kann man einfach weiter träumen – hach … eines Tages … bestimmt … das wird toll …

Ach ja, Ironie …

Jetzt mal im Ernst: Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich kenne das auch von mir. Nicht umsonst sagt man oft: „Ich frage mich schon die ganze Zeit …“.

Da hat man eine Idee oder einen Wunsch und bevor dieses Baby jemals das Licht der Welt erblicken konnte, wird es auch schon im Keime erstickt. Nicht von anderen, sondern meist von uns selbst!

Lieber produzieren wir unsere Antworten selbst, auch wenn sie noch so beschießen sind, als es darauf ankommen zu lassen.

Es könnte ja eventuell, möglicherweise, unter Umständen, womöglich noch schlimmer kommen …

Diese „Kaffeesatzleserei“ ist zwar oft im ersten Schritt bequem, aber nicht wirklich ratsam, wenn du wirklich etwas ändern und erreichen willst.

Das gilt übrigens auch im Coaching. Wie oft erlebe ich es z.B. in meiner Psychodrama-Ausbildung bei anderen Coaches, dass sie sich lieber den Kopf zerbrechen und zusammenreimen, was in dem Coachee vorgeht, statt ihn danach zu fragen. Schließlich will man ja kompetent wirken. Und als Coach muss man ja wissen … bla bla bla … Schwachsinn!

Was bin ich froh, dass mein Ausbilder in der Coaching-Ausbildung nie müde wurde immer und immer wieder zu sagen: „Wenn du als Coach dich während des Coachings etwas fragst, z.B, was dein Coachee jetzt braucht oder wie es für ihn jetzt weiter gehen soll, dann frag ihn! Du hast es mit einem Erwachsenen zu tun, der durchaus in der Lage ist, dir diese Fragen zu beantworten. Hör auf ihn zu entmündigen, in dem du dir selbst an seiner Stelle Antworten kreierst!“ 

Danke, Ralf!

Das gilt natürlich nicht nur für’s Coaching, sondern für alle möglichen Situationen im Leben.

Deswegen habe drei Schritte für dich, wenn du dem „Kaffeesatz lesen“ künftig  abschwören willst:

Schritt-Nr. 1: Checke was läuft!

Der erste und eigentlich der wichtigste Schritt ist: Mitbekommen, was du da treibst. Du guckst ungläubig? Ja, ja, wir kriegen doch meist als letzte mit, was bei uns im Hirn los ist.

Das heißt, lerne dir selbst zuzuhören. Dafür ist es oft wichtig, dass du deinen „Außenlautsprecher“ einschaltest – also laut aussprichst, was du dir die ganze Zeit im eigenen Kopf erzählst. Nur für dich selbst. So bald du hörst, was für Schreckensszenarien da rauskommen, ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass du merkst, dass da oft gar keine Logik drin ist.

Du kannst dir das auch als Audio aufnehmen und dir nochmal anhören. Dann wird es bestimmt noch deutlicher, was du dir da mal wieder zusammen gereimt hast. So wabert das nicht im Kopf herum, sondern wird klarer.

Wenn du das geschafft hast, bist du schon auf einem verdammt guten Weg zur Besserung!

Schritt-Nr. 2: Wer schreibt, der bleibt!

Jetzt schreib das was du wirklich wissen willst auf. Ganz einfach, in dem du drei W’s notierst:

Wer: Wer ist der richtige Adressat? Wer kann mir wirklich die Frage beantworten? Wen sollte ich fragen?

Was: Was will ich ganz konkret von dieser Person wissen? Worum geht es mir?

Wie: Wie ist meine selbst zusammengereimte Antwort?

Schritt-Nr. 3: Realitycheck!

Jetzt hast du alles zusammen, um zu checken, ob und inwiefern deine eigene Antwort mit der Antwort der betreffenden Person übereinstimmt. Los, überprüf es! Dann bist du schlauer. Und so wird dein Ansprechpartner nicht entmündigt, sondern selbst gefragt.

So einfach ist es!

Und jetzt bist du an der Reihe:

Wie schaffst du es, deine Fragen nicht selbst zu beantworten, sondern die Personen anzusprechen, die wirklich was dazu zu sagen haben? Was sind deine Strategien, mit dem eigenen „Kaffesatzleser“ umzugehen?

Schreib das gleich unten als Kommentar!

Herzliche Grüße

Deine Natalie 🙂

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Frau Schnack!

    Dieser Artikel ist großartig! Ich habe viele Jahre lang mühsam zu erraten versucht, was eine andere Person gerade zu geben hat und dann geschaut, ob es das ist, was ich gerade brauche. Damit war die Wahrscheinlichkeit, auf eine Bitte ein „Ja“ zu bekommen, fast 100%. Nur der Preis dafür war hoch. Denn meine wirklichen Wünsche und Bedürfnisse habe ich dadurch nicht formuliert.

    Das änderte sich erst, als ich mit geduldiger Unterstützung meines Coachs ein „Nein“ nicht als Katastrophe eingestuft habe und das Risiko eingegangen bin.

    Und die Überraschung für mich war, dass ich eine sehr geringe Nein-Quote erlebt habe, nicht wie befürchtet an die 90%!

    An Ihrem Artikel gefällt mir ganz besonders der Punkt, die andere Person nicht zu entmündigen, sondern sie als selbst entscheidungsfähig wahrzunehmen und wertzuschätzen.

    Sandra Schleicher

    1. Liebe Frau Schleicher,

      vielen Dank für Ihren tollen Kommentar, in dem Sie so ehrlich schildern, wie es Ihnen lange ergangen ist und wie Ihr Coach Ihnen helfen konnte. Das sind so großartige Geschichten, die nicht nur Ihnen nützen, in dem Sie beim Schreiben des Kommentars noch einmal neu reflektieren, wie weit Sie sich entwickelt haben. Sondern auch andere Leser ermutigt, diesen Weg zu gehen.

      Ich wünsche Ihnen ganz viel Erfolg weiterhin!

      Herzliche Grüße
      Natalie Schnack 🙂

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