Warum du dich nicht ändern musst, sondern zu dir stehen

Letzte Woche hatte ich das erste 2-Tages-Seminar zu meinem Buch „Leise überzeugen: Mehr Präsenz für Introvertierte“ für die Haufe Akademie gehalten. Haufe hat eine Reihe an Seminaren mit mir deutschlandweit geplant. Wenn du mehr dazu erfahren willst, hier findest du alle Informationen dazu. Nun aber zum Wesentlichen!

Die Teilnehmer des Seminars waren Mitarbeiter aus verschiedenen Unternehmen, die meisten wurden von ihren Vorgesetzten zu diesem Seminar geschickt mit der Maßgabe: „Du muss dich ändern!“

Der einen Teilnehmerin wird von ihrem Vorgesetzten vorgeworfen, sie wäre für seinen Geschmack zu sachlich bei ihren Präsentationen. Dem anderen wird immer vorgehalten, er wäre zu ruhig und müsse mehr aus sich herausgehen. So ähnlich war es bei allen anderen.

Von der Ruhe in die Präsenz

Interessanterweise gab es folgende Entwicklung: Anfangs war die Gruppe ruhig. Ist völlig normal bei Introvertierten, erst gucken, sich eingewöhnen, bevor man in Aktion geht.

Am zweiten Tag sind meine Teilnehmer zu einer lebendigen und sehr lustigen Runde „mutiert“, so dass ich nach den Pausen richtig laut werde musste, um da durchzukommen. 😀

Es war für mich eine Wonne mit so einer Gruppe respektvoller, reflektierter, lebendiger, humorvoller und sehr präsenter und sichtbarer Menschen zu arbeiten. Keinen von Ihnen habe ich am zweiten Tag als zu ruhig, zu sachlich oder gar unsichtbar erlebt. Ganz im Gegenteil – Präsenz pur!

Kannst du dir vorstellen, warum?

Ein Blick auf das Positive bewirkt Wunder

Ich verrate dir erstmal, was in diesen Tagen vor allem passiert ist: Wir haben den Fokus nur auf die Stärken und Qualitäten der jeweiligen Person gelegt. Also haben sie zwei Tage lang nur von der positiven Seite auf sich geblickt. Das was sonst im Leben komplett hinten runter fällt. Denn nicht nur wir selbst, sondern auch andere Menschen beäugen uns meist sehr kritisch. Der Fokus liegt gewöhnlich auf dem, was noch nicht gut genug ist, was noch fehlt, was verbessert werden muss.

Und was komplett neu für sie war, sie haben sich mit den Stärken befasst, die ihre Introversion ihnen mit ihrer Geburt „mitgeliefert“ hat. Ich hatte schon ausführlich dazu geschrieben, was Introversion bedeutet.

In unserer Gesellschaft ist Introversion ja oft behaftet mit einem sehr unvorteilhaftem Bild. Was kompletter Schwachsinn ist! Was wäre diese ohnehin überhitzte Welt ohne unsere Ruhe und unserer Fähigkeit, auf den Boden der Tatsachen zurück zu kehren?

Hier sind die Ergebnisse, die in der Kleingruppenarbeit entstanden sind (klick auf das jeweilige Bild, um es zu vergrößern):

Eine Teilnehmerin fasste es sehr treffend zusammen, als diese Ergebnisse in der Reihe hingen: „Wenn ich das so sehe, dann muss ich mich ja gar nicht verändern.“

Anderer Teilnehmer sagte zum Abschluss: „Ich werde ab jetzt meine Qualtäten ganz bewusst nutzen. Und ich weiß jetzt, dass ich dann präsent und sichtbar bin, wenn ich aktiv werde und nicht mehr darauf warte, bis ich wahrgenommen werde.“

Es war sehr berührend zu sehen, wie einer nach dem anderen nachdenklich dazu mit dem Kopf nickte. Ein unglaublicher Augenblick!

Ja, genau!

Wir sind kein wandelnder Defekt oder eine lebendig gewordene Fehleransammlung! Ganz im Gegenteil. Wir bringen unglaublich viele wertvolle Qualitäten mit. 

Und wenn man noch die Stärken, die jeder einzelne auch jenseits der Introversion hat, hinzurechnet – was für ein Reichtum!

Das darfst du dir gern mal auf der Zunge zergehen lassen. 🙂

Was hat das mit deiner Sichtbarkeit zu tun?

Dazu möchte ich aus dem Schlusswort zu meinem Buch „Leise überzeugen: Mehr Präsenz für Introvertierte“ zitieren:

„Sich sichtbar machen bedeutet „nachweisen, zeigen, demonstrieren, herausstellen, enthüllen, an die Oberfläche bringen, zur Ansicht freigeben, offenlegen.“

Alle diese Begriffe sind Aktiv, so steht da z.B. „enthüllen“ und „offenlegen“ und nicht „enthüllen lassen“ oder „offengelegt werden“. Das bedeutet, du bist selbst dafür verantwortlich, ob die anderen mitbekommen, was du drauf hast und was du leistest. Es liegt also in deiner Hand, den anderen klar zu machen, wie du wahrgenommen werden möchtest. Und es spielt keine Rolle, dass du introvertiert oder leise bist. Denn gerade ruhige, leise Präsenz kann eine besonders intensive Präsenz sein, wenn du es dir nur erlaubst.“

Das heißt zusammengefasst:

  1. Mach dir klar, welche Qualitäten du hast!
  2. Lass dir von niemanden (vor allem nicht von dir selbst) einreden, du wärst nicht genug!
  3. Stehe zu dir!
  4. Werde aktiv und zeig dich – du hast so viel zu geben!

Du denkst gerade, leichter gesagt als getan? Das verstehe ich. Allein ist so ein Dreh nicht leicht. Ich helfe dir gern!

Herzliche Grüße

Natalie

 

Bild: Pixabay.com – sonnenruby

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8 Kommentare, sei der nächste!

  1. Liebe Natalie,
    Ein wunderbarer Artikel. Ich bin extrovertiert und hochsensibel, und viel im Aussen. Gerade jetzt ist aber meine introvertierte Seite in mir aktiv und ich habe in diesen Phasen immer das Gefühl, dass darf nicht sein, obwohl ich es mir zunehmend besser erlauben kann. Der Artikel kam dabei gerade zur richtigen Zeit. Danke.
    Liebe Grüße,
    Janine

    1. Liebe Janine,

      vielen Dank für deine Nachricht und so tolle Rückmeldung!

      Ja, die introvertierte Seite scheint in unserer Gesellschaft nicht passend, nicht angebracht, nicht richtig. Das ist natürlich ein kompletter Quatsch!

      Lass dir nichts einreden und stehe zu dir!

      Herzliche Grüße
      Natalie

  2. Liebe Natalie,

    ach toll zu lesen, dass ihr ein so schönes Seminar hattet. Kann ich mir lebhaft vorstellen :o)

    Immer wieder wird mir als Intro-HSP bewusst, dass es eine große Schnittmenge zwischen Introversion und Hochsensibilität gibt. Sowohl HSP als auch Intros wünschen sich ein minimal-stimulierendes Umfeld, da sie von Haus aus schon so offen für Neues und dadurch bestens stimuliert sind.

    So wie Janine schreibt, braucht der extrovertierte Hochsensible tatsächlich mehr Erholungsphasen als normalsensible Extros.

    Ist nicht immer einfach, das alles auseinanderzuklamüsern ;o)

    Aber das machen gerade Hochsensible und Intros besonders gerne: alles zerlegen, um es zu verstehen ;o)

    Herzliche Grüße
    Sabine

  3. Liebe Natalie,

    es kommt so viel Liebe deinerseits für die Introvertierten dieser Welt aus deinem Artikel heraus, das ist soooo schön und wärmend. DANKE.

    Du machst eine geniale, wichtige, herzöffnende und liebevolle Arbeit. Ich bin von dir mehr als begeistert.

    Ganz liebe Grüße, Sabine

  4. Liebe Nathalie,

    ich finde es so schön, dass du dieses Thema wirklich ausführlich und so wertvoll betrachtet hast. Es fällt so schwer, zu sich selbst zu stehen. Immer ist der Wunsch nach Anerkennung so groß, dass wir völlig vergessen mal direkt in uns zu suchen, wo unsere eigenen Stärken liegen! Das macht den Unterschied und du hast es einmal wieder auf den Punkt gebracht!
    Toll gemacht!
    Weiter so
    deine Alex

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