5 Hinweise für Selbständige: So erkennen Sie, ob Sie ein Geheimunternehmer sind

Ich arbeite ja nach wie vor viel mit Selbständigen. Oft sind es Kreative, auf jeden Fall Dienstleister und Solounternehmer. Die meisten wollen wachsen, neue Kunden gewinnen und noch sichtbarer mit ihrem Unternehmen werden. Sie kommen ins Coaching, weil sie aus ihrer Routine ausbrechen, sich an Neues wagen und bei der Stange auf ihrem Weg zu mehr Sichtbarkeit bleiben wollen.

Es gibt aber eine Gruppe von Leuten, die erst dann Hilfe sucht, wenn nicht mehr viel geht und deren Selbständigkeit kurz vom Exitus ist. Ich nenne Sie: Geheimunternehmer, denn oft agieren sie im Verdeckten. Und bei diesen habe ich fünf häufigste Übereinstimmungen festgestellt.

Überprüfen auch Sie, ob eines der Hinweise (oder vielleicht sogar mehrere) auf Sie passt. Dann ist Handlungsbedarf angesagt!

5 Hinweise, an denen Sie erkennen, ob Sie ein Geheimunternehmer sind:

Hinweis Nr.1: Nicht mal Ihre engsten Freunde wissen so ganz genau, was Sie machen

Man sollte meinen, dass es selbstverständlich ist, dass jeder in Ihrem Umfeld weiß, womit Sie Ihren Lebensunterhalt bestreiten. Und was gibt es dazu noch zu sagen? Jeder mit dem gesunden Menschenverstand muss doch genau wissen, was so ein Grafiker oder Coach macht, oder?!

Genau bei solchen Selbstverständlichkeiten liegt oft der Hase im Pfeffer: man meint, die anderen können es sich schon denken, und wenn nicht, würden sie nachfragen. Ein totaler Irrtum!

Jeder weiß, dass die leichteste Art Kunden zu gewinnen über Empfehlungen läuft. Und wer soll sie denn am besten weiter empfehlen, wenn nicht die Menschen, die Sie am besten kennen? Aber das können sie doch erst dann, wenn sie ganz genau wissen, was sie den ganzen lieben Tag treiben.

Tipp: Fragen Sie in der nächsten Zeit jeden Menschen in Ihrem Umfeld, ob er Ihnen beschreiben kann, was Sie beruflich machen und unter welchen Umständen er Sie weiter empfehlen würde.

Man kann das als ein „Forschungsauftrag“ in eigener Sache deklarieren, sollte es sich komisch anfühlen. Auf diese Art überprüfen Sie ganz einfach, ob jedem wirklich klar ist, was Sie tun, wie Sie es tun und warum Sie es auf genau die Art tun. Und so Sie können alle Unsicherheiten ausräumen und auftauchende Fragen beantworten.

Erzählen Sie anhand von konkreten Projektbeispielen, das hilft auch Fachfremden nachzuvollziehen, was Sie wie gelöst haben.

Auf diese Art signalisieren Sie ganz unaufdringlich, dass Sie sich über Weiterempfehlungen freuen, ohne dass Sie explizit darum bitten müssen.

 

Hinweis Nr. 2: Sie haben kein (vollständig ausgefülltes) XING-Profil

Wenn es Standards gibt für Menschen, die sich im Business-Kontext bewegen, dann gehört ein XING-Profil definitiv dazu. Es ist schlicht Ihre Pflicht, bei XING vertreten zu sein. Darüber muss man echt nicht diskutieren.

Trotzdem ist es noch nicht jedem klar, stelle ich immer wieder fest. Oder es gibt zwar ein Profil aber kaum Angaben. Dramatisch sind die ohne Fotos.

Tipp: Gestalten Sie noch heute Ihr XING-Profil.

Die Anmeldung ist total einfach. Wer sich mit dem Ausfüllen schwer tut, braucht nur bei Google einzugeben: „XING Profil richtig gestalten“, schon bekommt man 18.900 Beiträge angezeigt. Schon bei den ersten 5 werden Sie bestens mit Hilfestellungen bedient.

Und bitte, stellen Sie ein Foto rein, auf dem man Sie wieder erkennt und welches in ein Business-Umfeld reinpasst. Es geht hier nicht um Perfektion, sondern darum, dass man sich selbst ernst nimmt.

Hinweis Nr. 3: Man sucht vergeblich nach Ihrer Webseite

Wer jetzt ungläubig den Kopf schüttelt, dem sei gesagt: Nein, ich spinne nicht. Ja, es gibt viel mehr Selbständige, als es mir lieb ist, die entweder gar keine Webseite haben, oder eine total karge „Visitenkarte“, aus der keiner schlau werden kann.

Dabei hoffe ich inständig, dass es bald zu jedem durchgedrungen ist, dass ein Unternehmen, dass nicht im Internet vertreten ist, schlicht nicht existent ist.

Tipp: Priorisieren Sie die Erstellung einer Webseite genauso hoch, wie die Projekte Ihrer Kunden. Und ran!

Heutzutage muss man kein teures Geld bezahlen, um eine anständige Webseite zu erstellen. Es gibt WordPress, es gibt verschiedene Baukastensysteme im Internet kostenfrei zu haben. Daran kann es heute nicht scheitern.

Wenn Sie noch gar nichts haben, fangen Sie mit einer Seite mit Ihrem Foto, Kontaktdaten und kurzen aber aussagekräftigen Beschreibung Ihres Business. Wenn das schon mal fertig ist, dann können Sie sich immer noch in Ruhe mit einer umfangreicheren Webseite beschäftigen.

Und für alle, die sich jetzt gestresst fühlen: Hier geht es nicht um „In Schönheit sterben“, sondern im ersten Schritt um ein klares Bild und eine konkrete Information, mehr nicht.

Hinweis Nr. 4: Sie haben einen einzigen Kunden

Wie geht der Spruch mit dem Melken einer einzigen Kuh? Stellen Sie sich mal vor, Sie sind ein Bauer und haben nur eine Kuh, die Milch gibt. Nach dem Prinzip Hoffnung. Nur darf die Kuh niemals krank werden oder gar sterben. Dann ist „Sense“.

Genauso ist es mit denen, die zwar als Selbständige geführt werden, die aber eigentlich abhängig sind von einem einzigen Auftraggeber. Oft haben sie zwar noch andere „Klecker-Auftraggeber“, aber wenn der Hauptauftraggeber morgen wegbleiben würden, guckten sie ganz schön in die Röhre.

Ich bin immer wieder erstaunt, dass die Menschen, die das betrifft eigentlich um die Gefahr wissen. Dennoch bleiben Sie an der Nabelschnur so lange hängen, bis die Aufträge merklich wegbrechen. Und dann stehen Sie mit nichts da und müssen von Null anfangen. Das haut dann einem nicht nur finanziell, sondern auch psychisch die Beine richtig weg. Das ist gar nicht lustig!

Tipp: Beantworten Sie sich selbst die Frage: Was würde passieren, wenn morgen mein wichtigster Auftraggeber auf einmal nicht mehr da wäre?

Seien Sie bitte ganz ehrlich zu sich selbst! Bekommen Sie Angst? Gut so! Lassen Sie genau diese Angst zu einem starken Antrieb werden, um Ihre Kundenbasis zu erweitern. Warten Sie nicht nächste Woche, nächsten Monat ab. Fangen Sie noch heute an, neue Kunden zu gewinnen!

Wie? Als erstes über Freunde und Bekannte (siehe Hinweis 1). Und in dem Sie alle Ihre „Altkunden“ kontaktieren und Beziehung auffrischen.

Hinweis Nr. 5: Begriffe wie Netzwerken, Marketing, Social Media und Akquise kennen Sie nur vom Hörensagen

… und Ihnen stehen Haare zu Berge, wenn Sie allein darüber nachdenken müssen? Schade! Denn es geht um Beziehungen zu anderen Menschen, es geht um gemeinsame Interessen, es geht um Austausch. Es geht darum, Nutzen für andere Menschen zu bieten indem Sie das, was Sie alles Tolles können, anderen zur Verfügung stellen. Nicht mehr, aber auch auf gar keinen Fall weniger!

Tipp: Entdecken Sie die Freude daran, das was Sie wissen und können mit anderen zu teilen!

Es geht in erster Linie darum, sich Gedanken zu machen, was Sie Ihrer Umwelt zu geben haben, was Sie ausmacht und was Sie mit Freude tun. Es geht hier nicht darum, welche Social Media Kanäle Ihre Datensicherheitsbedürfnisse befriedigen.

Wenn Sie wissen, wofür Sie stehen und worüber Sie lustvoll reden, dann ist es zweitrangig über welche Kanäle, offline oder online, Sie es tun. Sie tun es dann einfach! Und gewinnen so Interessierte, Befürworter und natürlich auch Kunden :-).

Wenn ich Sie wachgerüttelt habe, dann habe ich mein Ziel mit diesem Artikel erreicht :-). Jetzt gibt es nur noch eines zu sagen:

Bitte, nehmen Sie sich und Ihr Business ernst und kommen Sie aus Ihrer Deckung heraus!

Ich freue mich sehr darauf, zu erfahren, ob und welche Erkenntnisse und Motivation Sie für sich aus diesem Artikel gezogen haben und auf Ihre Kommentare!

 

 

Bildnachweis: eyeQ – Fotolia.com

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2 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Natalie,

    gestern gab es in einer Xing-Gruppe mal wieder die Frage, ob das Profil einem eigentlich nützt einen Job zu ergattern. Reingeguckt in das Profil der Fragenden ergab: kein Foto, weder Portfolio noch biete/suche/Werdegang ausgefüllt, keine Kontakte, 0 % Aktivität. Sooo, nützt es wirklich nicht.

    Feierabendgrüße vom Karnevalsflüchtling
    Silke 🙂

  2. Liebe Silke,

    vielen Dank für dieses Beispiel! Ja, das ist oft so, dass die Menschen besonders kritisch, die gleichzeitig besonders „geheim“ sind und nur inkognito unterwegs sind. Aus Unsicherheit wird erst nach ganz konkret zu beziffernden Nutzen gefragt, das kennt man ja aus allen Social Media Diskussionnen. Ich denke, dass so versucht wird vernünftige/sachliche Gründe zu finden für das eigene Abwehrverhalten, dass auf Ängsten beruht.
    Deswegen bring es auch nichts da auf sachlicher Ebene zu argumentieren, weil immer ein anderer Einwand (z.B. Datenschutz) plötzlich aus dem Hut gezaubert wird.

    Das ist das was ich an dem Thema mit der Sichtbarkeit wirklich faszinierend finde: was hält die Menschen davon ab und zwar wirklich und nicht als Begründung.

    Herzliche Grüße vom Flughafen Richtung München 🙂

    Natalie

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