Interview: Selbstbehauptung hat nichts mit dem Kampf um Dominanz zu tun

Nach der Sommerpause habe ich verschiedene Artikel zu schreiben. Und beim Stöbern in meinem Presseordner entdeckte ich ein Interview, dass ich zum Erscheinen meines ersten Buches „30 Minuten Selbstbehauptung“ gegeben habe. Das wurde so nie veröffentlicht, es sollte der Journalistin als Material für den Zeitungsartikel dienen. Ich finde meine Antworten allerdings echt spannend und aussagekräftig, deswegen veröffentliche ich sie hier.
(Leider habe ich mir den Namen der Journalistin nicht notiert, wer seine Fragen also erkennt, bitte melden!)

Dieses Leserfeedback habe ich von Tina Steffen bekommen
Dieses Leserfeedback habe ich von Tina Steffen bekommen

Frau Schnack, in Ihrem neuen Buch „30 Minuten Selbstbehauptung“ schreiben Sie, dass  sich zu behaupten etwas anderes ist als sich durchzusetzen. Worin liegt der Unterschied?

Wenn ich mich durchsetze, dann bedeutet es, ich habe gegen den Widerstand von jemand anderen das durchgeboxt, was ich will. Das heißt, ich habe gewonnen, der andere hat verloren. Sich selbst zu behaupten ist für mich dagegen, andere von meinem Anliegen zu überzeugen. Das heißt, dass ich mich mit den Menschen, denen gegenüber ich mich behaupten will, so begegne, dass sie mir, meinem Ziel oder meiner Idee folgen. Das gelingt dann, wenn ich meinem Gegenüber auf einer Augenhöhe begegne. Das heißt, ich versuche weder ihn zu dominieren und so mein Ziel durchzudrücken, noch mache ich mich kleiner und appelliere auf sein Verständnis oder gar Mitleid. Natürlich kann es sein, dass man dafür unter Umständen Kompromisse angehen muss, denn es geht darum, eine Win-Win-Konstellation zu erzielen. Sie sehen also, bei der Selbstbehauptung verfolgt man ein grundsätzlich anderes Konzept, als beim Durchsetzen.

Sie beziehen sich auf das Status-Konzept. Können Sie kurz erläutern, was Sie damit meinen?

Das Status-Konzept wurde von dem Begründer des modernen Improvisationstheaters Keith Johnstone in seiner Arbeit mit Schauspielern entdeckt. Es geht darum, dass in jeder Begegnung, in jedem Gespräch, überhaupt in jeder Situation, in die mindes­tens zwei Personen involviert sind, Status ausgehandelt wird, meist ohne das wir es merken. Es ist wie ein ständig ablaufender Vergleich, ein Messen um die Gunst, um den Respekt, um die Sympathie oder den Wunsch nach Distanz oder Nähe. In allem, was ausgedrückt wird – ob in der Körpersprache, Stimme, Sprache oder dem Blickkontakt – transportieren wir neben dem Inhalt das aktuelle Status-Verhältnis zu unserem Gegenüber.

Status ist dabei nicht beständig, er wird in jeder Begegnung immer wieder neu ausgehandelt, auch mit Menschen, die wir schon ewig kennen. Das Spannende am Status: Diese Zuordnung läuft unbewusst ab. Die Körpersprache, die Stimme, die Sprechweise und das Gesagte werden „gescannt“. Dann treffen wir in Sekundenschnelle die Entscheidung, wie wir darauf reagieren. Erst im Nachhinein fragen wir uns oft, warum wir uns genau so und nicht anders verhalten haben, ohne eine eindeutige Antwort darauf zu finden.

Status hört sich so nach „Mein Auto, mein Haus, mein Boot“ an. Hat der Status mit der gesellschaftlichen Stellung zu tun?

Nein, definitiv nicht!  Status hat nichts mit Hierarchie, Titeln oder Besitztümern zu tun. Sondern nur mit der eigenen Persönlichkeit und dem daraus resultierenden Verhalten. Es läuft also in allen Bereichen der Gesellschaft nach denselben Regeln ab. Natürlich kann man sie nicht ganz von der gesellschaftlichen Rangordnung abkoppeln. Doch das ist hier nicht entscheidend. Der eigene Status hängt erheblich davon ab, wie man sich selbst sieht. Und zwar im Vergleich zu anderen Menschen oder auch zu der ganzen Welt.

Und was geht da konkret vor?

Ich unterscheide zwischen dem inneren Status, also das innere Gefühl dafür, wie ich meine Wertigkeit im Vergleich zu meinem Gesprächspartner sehe. Und dem auf diesem inneren Empfinden basierten äußeren Status, der im Verhalten, der Körpersprache, dem Gesagten nach außen gezeigt wird. Dabei übereinstimmt das Innere nicht immer mit dem Äußerem überein. Das passiert dann, wenn bewusst entschieden wird, sich anders zu positionieren und zu zeigen. So gibt es verschiedene Variationen, wie das Status-Verhältnis sein kann:
– innen hoch und außen hoch
– innen hoch und außen tief
– innen tief und außen hoch
– innen tief und außen tief,

je nach dem, wie wertvoll ich mich gegenüber dem anderen fühle und positioniere.

Wir können uns in allen vier Status-Kombinationen bewegen, es hängt eben von der Situation und den beteiligten Personen ab, wie ich mich fühle und wie ich mich gebe. Es ist sogar sehr wichtig, sie alle nutzen zu können, um verschiedenen Menschen auf der Augenhöhe begegnen zu können.

Deswegen leite ich die Leser im Buch an, sich ihre vielen Lebensrollen – Elternteil, Kind, Vorgesetzte, Kollege, Kegelbruder anzuschauen. Wir erfüllen ja immer viele Rollen parallel. Und in jeder Lebensrolle sind meist bestimmte Status-Konstellationen über die Zeit festgelegt. Sich diese bewusst zu werden, lohnt sich auf jeden Fall. Denn sie zeigen erst einmal, dass man mit unterschiedlichen Menschen sich anders erlebt. Auch wenn die Selbstbehauptung in einer bestimmten Rolle besonders schwer gelingt, so kann es sein, dass in einer anderen es wunderbar klappt. So kann man von sich selbst lernen.

Wo sehen Sie die Verbindung zwischen Status und Selbstbehauptung?

Oft wird „sich behaupten” kurzsichtiger Weise nur mit Selbstvertrauen oder Rhetorik in Verbindung gebracht. Das Status-Modell zeigt: Das Fundament dafür, Ihre Frau/Ihren Mann stehen zu können und klar für sich selbst einzutreten, liegt darin, wie man sich – und andere – in einer bestimmten Situation (zueinander) einschätzt. Denn wenn man sich gegenüber einer Person ohne Probleme behaupten kann und für sich selbst und eigene Sache einstehen kann, kann man bei einer anderen immer wieder den Kürzeren ziehen. Das bedeutet, es gibt nicht DIE Methode um sich selbst zu behaupten. Sondern es geht darum, individuell zu regieren. Und da hat man im Status-Konzept eine gute und einfache Basis.

Haben Sie zum Schluss noch eine kurze Definition für Selbstbehauptung?

Ich definiere Selbstbehauptung so: Sich nicht aus dem Konzept bringen lassen, sich nicht „erschüttern“ lassen vom Verhalten anderer und sich nicht dazu verleiten lassen, einen respektvollen Umgang zu sich selbst und anderen aufzugeben. Kurzum: es geht um Standing und Respekt!

Das Buch „30 Minuten Selbstbehauptung“ ist seit seiner Erscheinung im August 2013 ständig unter Top 10 bei Amazon in der Kategorie Selbstsicherheit & Selbstbehauptung, Link zu Amazon

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