Freuen Sie sich doch, wenn Sie nach Ihren Stärken gefragt werden!

bald-eagle-521492_640
Teile diesen Beitrag

bald-eagle-521492_640

Das Thema betrifft die meisten, die im beruflichen Kontext unterwegs sind. Als Bewerber kommt man nur sehr selten um die Frage nach den Stärken rum. Als Selbständiger muss man wissen und für den (potenziellen) Kunden begründen können, was einen von der Konkurrenz unterscheidet. Und wenn man als Angestellter weiter kommen möchte, dann kommt man auch nicht umhin, den Vorgesetzten von sich und eigenen Qualitäten zu überzeugen. Deswegen ist das ein echt wichtiges Thema, mit dem ich in meiner Arbeit ständig konfrontiert bin.

Stärken? Oh, Panik!

Ich erlebe allerdings im Coaching oder Training, dass die Frage nach den Stärken bei den Menschen richtige Stressreaktionen hervorruft. So auch letzten Samstag in meinem Workshop „Raus aus der Tarnung! So werden Sie sichtbar“. Kaum sage ich: „Jetzt geht es darum, dass Sie sich Ihrer Stärken bewusst werden.“, sehe ich gequellte Gesichter, stocksteife Körper mit Fluchttendenz und höre ein tiefes Seufzen oder sogar Stöhnen – oha! Das die Person in so einem Zustand auf eine solche Frage nicht wirklich souverän und selbstbewusst antworten kann, liegt auf der Hand.

Nun kann man darüber nachdenken, wie so eine sehr weit verbreitete Reaktion zustande kommt, oder warum die meisten Menschen denken, das eine Stärke etwas ganz besonderes sein muss. Heute geht es mir allerdings darum, aufzuzeigen, wie Sie sich Ihrer Stärken bewusst werden.

Bitte keine nichts sagenden Schlagworte

Beim Aufzählen von Schlagworten, á la „motiviert, teamorientiert, zuverlässig, belastbar“ fühlt man sich nicht nur selbst unwohl, es will auch kein anderer Mensch hören, glauben Sie es mir. Das gilt auch für die Personaler, die in den Stellenanzeigen danach rufen.

Doch was soll man denn darauf antworten? Und wie kommt man auf diese Antworten?

Forsten Sie Ihre Erfolge nach Mustern durch

Im Coaching lasse ich mir Geschichten erzählen, in denen die Person sich selbst als erfolgreich erlebt hat, und das unabhängig davon, im welchen Alter und ob es private oder berufliche Erfolge waren. In den Workshops erzählen sich die Teilnehmer diese Geschichten gegenseitig. Die Aufgabe der zuhörenden Person ist es, nachzuhaken, was die Person aktiv dafür getan hat, um hier Erfolg zu erleben und die Muster zwischen den einzelnen Erfolgserlebnissen zu erkennen. Denn diese Muster zeigen, dass Erfolg kam, wenn die Person Ihre bestimmten Fähigkeiten eingesetzt hat.

Das bedeutet für Sie, suchen Sie sich jemanden, der gut zuhören kann und an Ihnen interessiert ist, erzählen Sie ihm 3-5 Ihrer Erfolgsgeschichten, und seien die Erfolgserlebnisse noch so klein. Und lassen Sie sich Feedback dazu geben, welche Muster Ihr Gegenüber entdeckt hat. Diese Fähigkeiten hören sich dann ganz anders an, als die oben genannten Schlagworte, meist ist es ein Satz, z.B.:

„Wenn du dich für eine Aufgabe verantwortlich fühlst und merkst, dass die Sache nicht so läuft, wie du es dir vorstellst, dann hast du kluge Ideen, wie dies anders laufen kann.“

„Du kannst andere Menschen gut von deinen Ideen und dem Nutzen, den sie selbst davon haben, überzeugen.“

Unsere wahren Stärken sind uns selbstverständlich

Man selbst kommt nicht darauf, weil solche Eigenschaften einerseits so gar nichts mit den kursierten Schlagworten zu tun haben. Andererseits sind wir auf dem Auge auch völlig blind und denken: „Das kann doch jeder„.

Bullshit! Kein Mensch hat die gleichen Stärken in der gleichen Zusammensetzung, wie Sie sie haben – vergessen Sie es nie!

Herzliche Grüße

Ihre

Natalie Schnack

Ps.: Im nächsten Artikel wird es darum gehen, wie Sie diese so herausgefundenen Stärken so umformulieren, dass sie Ihnen locker flockig über die Lippen kommen 🙂

 

Bild: Pixabay  - FlashBuddy
Teile diesen Beitrag

Danke, dass du zu Ende gelesen hast!

Gefällt dir das was ich schreibe? Dann trag deine E-Mail-Adresse ein und ich informiere dich, so bald es hier Neues gibt!

Ich hasse Spam. Und gebe niemals deine Daten weiter.

0 Kommentare, sei der nächste!

  1. Natalie, du bringst es auf den Punkt! Wir sitzen zu dicht auf uns selbst drauf, um unsere Stärken zu sehen. Das hat meiner Meinungs nach weniger was mit „sich-klein-machen“ oder ähnlichem zu tun.Mir war nie klar, was mich von anderen in meiner Branche unterscheidet, bis mich jemand mal dazu „zwang“ zu sagen, was ich gut kann, was Kursteilnehmer und auch Kunden zu mir sagen. Wenn man dann locker so daher plaudert und der andere hört gut zu und lässt einen erstmal nicht entschlüpfen), dann spucken wir meist unsere Stärken aus :-). Gute Idee ist auch das Erzählen von 3-5 Erfolgsgeschichten, wie du es schilderst.

    LG Sylvia

  2. Ach, wie gut kenne ich das! Schon beim Gedanken daran, von den eigenen Erfolgen zu berichten, bricht mit der Schweiß aus….Anderen kann ich ganz leicht bestärken und loben, aber mich selbst? In meinem Heimatland Norwegen gibt es ein „Volksglaubensgesetz“ (Janteloven) – mit u.a. folgenden „Geboten“:
    „Du sollst nicht glauben, dass du etwas bist.“
    „Du sollst nicht glauben, dass du zu etwas taugst.“
    Schon erstaunlich, wie tief solche „Gebote“ immer noch in uns stecken und uns immer wieder daran hindern, unsere gelungenen Schritte wirklich zu zelebrieren.
    Liebe Grüße, Vera Bartholomay

  3. Liebe Sylvia,

    stimmt, oft hat es einfach damit zu tun, dass wir unserer gar nicht bewusst sind und da kommen genaue Nachfragen sehr gut, denn da macht man sich einfach mal Gedanken zu sich selbst und dem, was einen ausmacht. Da ist auch das, was ich oft im Coaching erlebe: man hat es ja nie gelernt, in diese Richtung über sich selbst nachzudenken, geschweige denn darüber zu sprechen.

    Vielen Dank für dein Feedback!

    Herzliche Grüße
    Natalie

  4. Liebe Vera,

    herzlichen Dank für dein Kommentar! Oh ja, die Kultur wirkt in uns, ob wir es wollen oder nicht – ich kann dich nur bestätigen! Interessant ist es für mich auch zu lesen, mit welchen Glaubenssätzen in Norwegen „gearbeitet“ wird 😉

    Ich wünsche dir weiterhin viel Erfolg beim Leeren dieses Rucksacks!

    Herzliche Grüße
    Natalie

  5. Das beschäftigt mich im Moment ungemein,gerade weil beruflich einige Dinge im Umbruch sind. Durch eine andere Coachfrau bekam ich ein Skript Zum Beruf, HSp und Stärken. Das hat einmal richtig gut getan sich sich seiner Stärken bewusst zu werden. Es setzt ganz neue Energie frei.
    Vieles ist doch in uns geprägt,es wird einem erst später viel bewusst.
    Liebe Grüße

    PS: Lesenswert ist ein das Buch „schnelles Denken, langsames Denken“ von Daniel Kahnemann, indem es um Entscheidungen geht. Da hatte ich den ein oder anderen AHA-Effekt.

  6. Hallo Frau Grahovac,

    vielen Dank für Ihren Kommentar! Ja, sich selbst kennenzulernen und das herauszufinden, was einen positiv ausmacht, setzt Energien frei.
    Danke auch für den Buchtipp, kannte ich noch nicht.
    Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg für Ihre Neuorientierungsphase!

    Herzliche Grüße
    Natalie Schnack

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *