Je weniger Ansprüche an sich selbst, desto mehr genießt man das Leben

ⒸGreyerbaby: Lisa Runnels – pixabay.com

Ich gebe zu, als Bettina Schöbitz mich zu Ihrer Blogparade „Weniger ist mehr“, die sie gemeinsam mit Petra Schuseilveranstaltet, eingeladen hat, habe ich sehr gefremdelt mit den vorgegebenen Inhalten. Das tue ich immer noch, auch nach dem ich einige Beiträge dazu gelesen habe.

Natürlich finde ich es auch sinnvoll, Müll zu trennen, Biolebensmittel zu kaufen und möglichst wenig CO2-Austosstoß zu verursachen. Ich habe es immer im Blick und mache das in meinem Rahmen, ohne es an die große Glocke zu hängen.

Und da ist der Punkt, der mir tierisch auf die Nerven geht: der Dogmatismus und Missionartum, der seit Längerem bei diesem Thema um sich greift. Zu oft habe ich Leute erleben dürfen, die sich für bessere Menschen halten, nur weil sie im allerteuersten Bioladen einkaufen können oder T-Shirts von „Viva con Aqua“ tragen ;-).

Ich selbst bin in einer Welt aufgewachsen, in der Mangel allgegenwärtig war (für die, die es nicht wissen, ich bin geboren in Kasachstan und lebe seit 20 Jahren  in Deutschland). Bei uns gab es nur Bio, denn sowohl Obst als auch Gemüse wurde von uns selbst angepflanzt, geerntet und eingekocht. Kühe, Schweine und Geflügel wurden von uns selbst gehalten, geschlachtet und gegessen. Wir hatten nicht die Qual der Wahl, wir aßen das, was da war. Das Gleiche galt auch für Klamotten.

Dass es heute hier, in diesem Land des Überflusses, zu einer Mode wird aus weniger mehr zu machen, befremdet mich. Nicht wegen des guten Kerns. Sondern wegen der Selbstbeweihräucherung, die damit einher geht. Der Mensch ist offensichtlich so, dass er immer darum bemüht ist, sich einen höheren Status verschaffen zu wollen – etwas Besseres als andere sein zu wollen.

Diese Diskussionen sind aus meiner Sicht ein Resultat eines Lebens im Überfluss. So richtig entbehren musste wohl keiner von Euch oder Ihnen, oder?! Die meisten von den Vegan-Dogmatikern machen sich kein Bild davon, wie es ist, wenn man kein Supermarkt um die Ecke hat, der ganzjährig Obst und Gemüse in allen Ausführungen und Preisklassen führt.

Wie hoch sind die Ansprüche an sich selbst?

Deswegen setze ich mich mit diesem Beitrag dafür ein, dass man zwar bewusst mit den Ressourcen unseres Planeten umgeht, doch dabei nicht in einem Teufelskreis der überzogener Ansprüche an sich selbst und andere landet. Man kann das ganze Elend der Welt auf seine Schultern laden und denken, dass durch die Selbstkasteiung etwas besser wird. Man kann aber auch die Sache entspannt angehen und gezielt schauen, wo kann ich mich so engagieren, dass ich in meinem kleinen Rahmen, die Welt um mich herum ein kleines bisschen besser mache.

Nicht dass wir uns missverstehen, ich toleriere jede Art sich zu ernähren und zu leben. Und natürlich finde ich es gut, solche Dinge zu thematisieren und sichtbar zu machen. Mich stören daraus erwachsenen Ansprüche an sich selbst, die wieder im Perfektionismus münden: Man muss schon mindestens ein Vegetarier sein, Veganer natürlich noch besser; man darf keinen Urlaub mehr woanders machen, höchstens mit dem Fahrrad durch Deutschland; Und, und, und… um up to date zu sein und zu den Guten zu gehören. Was dabei die Menschen in Ländern, die allein vom Tourismus leben, tun sollen, oder dass auch Tiere zum Naturgleichgewicht gehören, das wird oft bei lauter Gut-Mensch-Sein-Geschichte vernachlässigt. Einseitigkeit hat noch nie etwas gebracht. Das große Ganze zu sehen ist dagegen immer gut.

Wie wäre es also damit, weniger verkniffen sein und Ansprüche an sich selbst zu stellen und dafür mehr das Leben zu genießen? Dann klappt es auch gutgelaunt mit dem eigenen Beitrag für das Gute in der Welt, und sei er noch so klitzeklein!

Ich bin gespannt auf Eure und Ihre Rückmeldungen dazu. Auf Missionarisches verzichte ich allerdings gern!

Eure / Ihre Natalie Schnack

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  1. Ganz Ihrer Meinung, Natalie. Weniger Ansprüche an seinen Konsum zu stellen macht entspannt und zufrieden. Ist allerdings ziemlich schwer bei dem Überfluss und der Vielfalt an Angeboten. Man muss sich ja laufend entscheiden und eine Wahl treffen. Ob sie richtig ist, dafür gibt es kaum objektive Kriterien. Hat man die Wahl gar nicht, wie es in Ihrer Kindheit war, braucht man auch keine Orientierungshilfe zum Entscheiden.

    Da wir soziale Wesen sind, ist nicht mehr als natürlich, dass wir uns an andern orientieren. Und trotzdem gibt es noch viele gelassenere Haltungen als Purismus und Fanatismus.

    Die gesunde Devise heisst wahrscheinlich: Die Freude am Guten pflegen und Bescheidung im Mass anstatt Stress durch permanentes Schielen nach links und rechts, um ja keinen Fehler zu machen.

  2. Hallo Natalie, danke für Dein Mit-machen – mal aus einer ganz anderen Sicht. Und wie wichtig sind Deine Erfahrungen, die du hier mit uns teilst. Danke auch dafür. Es erinnert mich an unsere Oma. Sie hat sicher ganz anders gewirtschaftet, nämlich ihren Keller bestückt mit allem, was der Garten hergab. Mich fasziniert, was wir von unseren „Alten“ lernen können: einmachen, einkochen, konservieren … Gemüseabfälle trocken oder für Gemüsesuppe hernehmen … ich probiere mich da gerade aus.

    Mir geht es bei dem „Weniger ist mehr“ um eine natürliche Haltung, die ich auch in meinem Buch „Finde Dein Lebenstempo“ mit dem Regler „genießen – sich langweilen“ versuche zu beschreiben. Ein Zu-Viel von allem ist immer irgendwie mit „Sodbrennen“ verbunden, im wahrsten Sinne des Wortes.

    Ich weiß, dass es die Diskussion gibt von wegen der „besseren Menschen“ … ob ich mich jetzt besser oder perfekter fühle, weiß ich gar nicht. Es ist halt mein kleiner Beitrag den ich leisten kann … ich unterstütze mit meinem Kauf einen Bauern, der sich um das Bio-Label bemüht und das ist auch in der Schweiz nicht so einfach, nämlich sehr teuer mit all den Auflagen. Und wenn ich Fair Trade oder Bio-Klamotten kaufe, dann zu meinem Budget passend in der Hoffnung, dass ich die Menschen unterstütze, die geerntet und produziert haben.

    Also. Die Diskussion hat begonnen. Aus vielen Blickwinkeln ist das „Weniger ist mehr“ beschrieben worden. Ich danke Dir sehr für Deinen Beitrag. Ich glaube, es braucht eine Streuung, ein Acht-sam-Werden …

    Herzlich. Petra

  3. Liebe Petra,

    vielen Dank für Dein wertschätzendes Feedback! Da sind wir uns völlig einig, wenn wir uns eine natürlich Haltung zu unserer Umwelt angewöhnen, die auf leben und leben lassen gerichtet ist, dann kommt für alle Beteiligten mehr heraus!

    Vielen Dank für die tolle Idee der Blogparade und dafür, dass ich meine Gedanke frei dazu äußern konnte 😀

    Herzliche Grüße
    Natalie

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