Wann ich gut bin, entscheide ich selbst!

© DOC RABE Medien Fotolia.com

Kennen Sie es auch: Sie wurden gerade richtig gefordert, ob im Bewerbungsgespräch, bei einem Kunden, während eines Vortrages oder auch bei einer anderen Angelegenheit. Und jetzt, wo es vorbei ist und der Druck abfällt, haben Sie überhaupt kein Gefühl dafür, wie es gelaufen ist. Moment mal, wenn Sie „schlecht „waren, wenn etwas schief gelaufen ist, dann wissen Sie es – oh ja! Aber wenn so weit alles ok, oder vielleicht sogar „ganz gut“ war, wissen Sie es dann? Also, ich tapte gerade letztens voll in die Falle: „Ich kann nicht beurteilen, ob meine Leistung gut (oder nicht) war…“ Am letzten Samstag bin ich mit meinem Impro-Partner „auf Zeit“ auf dem 60. Geburtstag eines ganz lieben Trainer-Kollegen mit einer Impro-Show aufgetreten. Wir waren gut vorbereitet und es lief glatt durch ohne weitere Vorkommnisse. Das Publikum war engagiert und es gab Applaus und auch Wunsch nach Zugabe. Also, eigentlich alles Paletti… Ja, genau: eigentlich… Doch als wir fertig waren, erinnerte ich mich an die Fehler und die Momente, mit denen ich nicht zufrieden war. Ich wusste schon, dass da nichts richtig schief gelaufen war, dass wir und ich nicht all zu schlecht sein konnten. Aber das war mir nicht genug. Erst nach dem Gespräch mit meinem Spielpartner, einigen sehr positiven Publikum-Feedbacks und einer unruhigen Nacht konnte ich die positiven Dinge erkennen und unsere gute Leistung auch als solche anerkennen (ich gebe zu, nicht ohne kleine Restzweifel 😉 ). Mich hat diese Situation sehr zum Nachdenken gebracht. Denn sie zeigte noch einmal deutlich die Bewertungs-Mechanismen, die bei mir ablaufen. Und die sind nicht gerade motivationsfördernd. Nicht dass es ein neues Phänomen wäre, als „Perfektionistin auf Entzug“ kenne ich mich da gut aus. Bin auf dem guten Weg davon weg zu kommen. Und jetzt ein Rückfall? Ganz ehrlich? Ist mir egal! Es geht nicht darum, warum es nun wieder passiert, was die Ursachen sind usw. Nein, darum geht es mir überhaupt nicht, denn das wäre meiner Meinung nach erst der wirkliche Rückfall nach dem Motto: „Wie konnte es Dir nur passieren?!“ – sinnlos! Vielmehr ist es interessant zu analysieren, was sind denn meine Kriterieneines guten Auftritts. Auch wenn diese erstmal nicht bewusst sind, sind sie trotzdem da. Man ist ja nur dann (un-)zufrieden mit den Dingen, wenn man einen Vergleichsmaßstab hat. Die Größe der Enttäuschung hängt schließlich auch von der Größe der (oft unbewussten) Erwartungen ab. Interessanterweise passt diese Geschichte zu meinen derzeitigen Gedanken zu den Fragen:

  1.  Wann ist ein Coaching gut?
  2.  Was sind MEINE Kriterien für  ein gutes Coaching?

Das Thema hatte ich gerade gestern bei Facebook thematisiert. Als mein NLP-Lehrer Ralf Stumpfin der Coaching-Ausbildung uns an solchen Fragen arbeiten ließ, fand ich sie schon super. Aber erst jetzt, nach dieser Situation, ist mir richtig bewusst geworden, wie wichtig sie wirklich sind! Wenn man jetzt wieder die Impro-Geschichte nimmt, was könnten die Kriterien für einen guten Auftritt sein? Ist es die

  • Anzahl der Lacher im Publikum?
  • Lautstärke des Applauses?
  • Anzahl und die Lautstärke der Zugabe-Rufe?
  • Anzahl der persönlichen Feedbacks?
  • Oder ist die Qualität sogar an der Größe der Blümensträuße, oder der Anzahl der fliegenden Teddybären (hmm… es gab keine 😉 ) zu messen?

Ja, sicher, auch. Aber diese äußeren Rückmeldungen können nur ein Teil der Kriterien sein. Mindestens genauso wichtig für mich ist,  Fragen zu klären, die mit mir selbst und auch mit uns als Team zusammenhängen:

  • Habe ich mein Bestes gegeben? War ich engagiert und mit vollem Elan dabei?
  • War ich eine gute Spielpartnerin: war das ein Geben und eine Nehmen, oder habe ich versucht, mich auf die Kosten meines Kollegen zu profilieren?
  • Habe ich gut meinem Partner zugehört und seine Angebote angenommen?
  • Hatten wir Spaß auf der Bühne?
  • Waren wir ein gutes Team?
  • Haben wir auf der Bühne eine Beziehung zueinander gehabt, oder hat jeder für sich gekämpft?

Das sind nut einige, die mir jetzt dazu einfallen.

Mir fällt übrigens gerade auf, dass eben diese Kriterien auch auf das Coaching bezogen werden können! Das finde ich Klasse und mache mir weitere Gedanken dazu.

So. Und jetzt sind Sie an der Reihe: was sind Ihre Kriterien für Ihre gute Leistung? Tipp: diese können nicht nur im Äußeren zu finden sein! Ich freue mich auf Ihre Kommentare dazu. Ihre Natalie Schnack

Willst du über die neuen Tipps

informiert werden?

Hidden Content

0 Kommentare, sei der nächste!

  1. Toller Beitrag, für mich als Solopreneur sehr inspirierend.

    Mir sind folgende Fragen die wichtigsten:

    Habe ich mein Bestes gegeben?

    Was kann ich lernen und das nächste mal besser machen?

    Ich denke man muss auch mehr üben zu sehen was gut war, was schlecht war springt uns sofort ins Auge.

  2. Genau Natalie! Wir „Perfektionisten auf Entzug“ tun gut daran, mit uns selbst gnädig umzugehen.
    Wichtig ist doch, dass wir uns getraut haben zu TUN, während andere ggf. gehadert haben und nur im Publikum sitzen.
    Mein Merksatz, den ich mir selbst aufschreibe, heißt: „Wenn Du tust, kannst Du Fehler machen. Nur wenn Du tust, kannst Du Dein Ziel erreichen“.
    Auch wenn’s mir schwerfällt: Es gehören wohl Fehler dazu, wenn ich mein Ziel erreiche. ‚Macht es aber auch sympathischer.

  3. Interessanter Artikel!

    Die perfektionistischen Züge kenne ich nur zur gut
    und bin gar nicht so unglücklich darüber. Schließlich treiben sie mich an, immer noch ein bisschen besser zu werden.

    Aber wann bin ich denn als Präsentationstrainerin gut?
    Wenn ich meine Inhalte erlebbar mache, d.h.
    – das Verständnis für Präsentationen nachhaltig verändere,
    – individuelle, praxisnahe Umsetzungsmöglichkeiten aufzeige
    – beweise, dass ein ganzer Tag mit viel PowerPoint und komplexen Inhalten (trotzdem) bildhaft, kurzweilig und bewegend sein kann.

    Woran ich das merke: an freundlichen Gesichtern, interessierten Fragen, praktischer Umsetzung, konkretem Feedback und einer nachhaltigen Verhaltensänderung.
    Alles äußere Rückmeldungen, aber die zählen: Der Nutzen für den Kunden ist das Maß der Dinge.

    Wenn ich meine volle Konzentration und Begeisterung gegeben habe und mich traue, bin ich im Reinen mit mir selbst. Aber ist das schon gut?

  4. Vielen Dank für Eure wertschätzenden und sehr spannenden Kommentare, Sylvester, Lars und Nicole!

    @Sylvester, dass fröhliches Weiterüben!

    @Lars, ja, ohne Fehler ist keine Kreativität und kein neues TUN möglich!

    @Nicole,
    Natürlich hat auch der eigene Perfektionsanspruch seinen Nutzen, allerdings in Maßen, sonst wird er zu einer Bremse. Sehr interessant finde ich deine letzte Frage bezogen auf Dein eigenes Wohlgefühl bei der Arbeit: „Aber ist es schon gut?“. Keine Ahnung! Was ich aber weiß, dass nur das Zusammenspiel aus inneren Wohlfühlen und äußerem positiven Feedback eine wirklich gute Leistung ausmacht. Es ist nicht entweder oder, sondern sowohl als auch, und zwar mindestens 50/50.

    In diesem Sinne, unperfekte und fehlerbegrüßende Grüße
    Natalie 😉

  5. Erst mal glaube ich, dass es wichtig ist, eigene Erfolge auch festzuhalten. Ich bin dem Tipp gefolgt, ein „Erfolgstagebuch“ anzulegen, um mich zu motivieren und in Momenten, in denen ich im Nachhinein unsicher bin, darin zu blättern, um vergleichbare Situationen hervorzukramen. Das hilft!

    Ich mache mir auch gerne vorher Notizen, auf was ich achten will. Gefahr dabei: Andere Punkte können vernachlässigt werden, weil mein Konzentrationsfokus auf den benannten Kriterien lagen.

    Ansonsten sollten wir uns vielleicht alle angewöhnen, auch positives Feedback auszusprechen – im Office genauso wie privat oder auf der Bühne 😉 Negatives Feedback hören wir wohl alle häufiger, und irgendwer muss doch den Anfang machen, auch positive Rückmeldungen zu geben. In diesem Sinne: Frau Schnack, danke für Ihre Denkanregungen mit diesem Artikel. 🙂

  6. Liebe Bianca,

    vielen Dank für Ihren Kommentar! Wow, eine Erfolgstagebuch – Klasse! Ich selbst tue mich schwer mit der Kontinuität bei solchen Dingen.

    Das mit dem Vornehmen von gewissen Kriterien gefällt mir. Schließlich geht es darum, die ohnehin vorhandenen Kriterien bewusst zu machen und darauf Augenmerk zu richten. Und dann ist ja ok, dass man nur auf die wichtigsten Kriterien achten kann. Diese kann man ja von mal zu mal variieren…

    Und natürlich kann sich jede/r selbst an der Nase fassen, wieviel positives Feedback man selbst ausspricht.

    Herzlichen Dank für diese tollen Anregungen und viele Grüße
    Natalie Schnack

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.