Eine Frage bringt zum Stottern: „Was machen Sie beruflich?“

Buchstabensalat

Gerd Altmann – pixabay.com

Es ist doch immer wieder interessant, wie diese kurze Frage: „Was machen Sie beruflich?“ all die bis dato ausgestrahlte Souveränität in Sekundenschnelle verschwinden lassen kann: es wird gehüstelt, gestottert und ganz weit ausgeholt mit ordentlich Röte im Gesicht ;-). Kommt Ihnen bekannt vor? Glaube ich sofort! Ist nämlich nichts besonderes, sondern ein Massenphänomen. Gerade Selbständige unterschiedlichen Couleurs scheinen es besonders schwer zu haben, diese Frage ohne Chaos im Kopf und deutliche Stress-Zeichen zu beantworten.

Es ist natürlich so, dass die Berufe heute im Vergleich zu früher spezialisierter und komplexer geworden sind. Immer mehr neue Berufsbilder entstehen, die nichts mehr mit der Herstellung von einem Produkt zu tun haben, das man in den Händen halten kann. Und wenn, dann trägt man nur einen ganz kleinen Beitrag mit seiner Arbeit zur Entstehung dieses anfassbaren Produktes bei, so dass man diesen Zusammenhang nicht mehr wirklich sieht – extreme Arbeitsteilung lässt grüßen. Und das was man wirklich macht ist meist dermaßen erklärungsbedürftig und speziell, dass man es nicht mal eben in einem Satz genau erklären kann. Und da fängt der Spießrutenlauf an.

Wunder Punkt Nr. 1: Genauigkeit
Ich glaube, sie ist immer noch aus den Zeiten der berühmten deutschen Tugenden bei uns hängen geblieben ;-). Man will es eben genau und wirklich detailtreu erklären, damit andere, und zwar gerade die, die sich rein gar nichts unter dem Beruf vorstellen können, es möglichst genau verstehen. Und dann hält man einen Fachvortrag über die Einzelheiten, manchmal ohne zu merken, dass das Gegenüber schon Schnarchlaute von sich gibt. Denn natürlich ist man begeistert davon und außerdem bemüht dem anderen klar zu machen, wie wichtig und anspruchsvoll die eigene Arbeit doch ist. Schließlich leben wir in einer Gesellschaft, in der der Status des Menschen zu großen Teilen aus seinen Berufserfolgen speist. Also, wird eine möglichst „große Keule geschwungen“.

Und das ist unabhängig davon, ob es auf eine laute Art geschiet, bei der man sich selbst nach dem Motto darstellt: „Ha-ha, schau her, was für ein/e tolle/e Held/in ich bin!“. Oder ob es auf die leise Art kommt, so etwas wie: „Ich mach ein bisschen das und ein kleinwenig davon und ja, dass muss ich manchmal auch machen…“ Für den Zuhörer ist es in beiden Fällen klar: „Ich weiß immer noch nicht, was er/sie konkret macht.“ Aber, um nicht noch weiter dem Vortrag zuhören zu müssen, sagt er/sie dann mit einem gequellten Lächeln: „Ach so, verstehe…“ und wendet sich erleichtert einem anderen zu oder wechselt schnell das Thema.

In diesem Moment wird einem klar: „Mist, ich hätte es etwas genauer erklären sollen, ich glaube, er/sie hat es nicht richtig verstanden.“ Und beim nächsten mal dann, wenn die Frage wieder kommt, liefert man natürlich weitere Details nach und geht etwas mehr in die Tiefe… Und es geht so weiter… Ein Teufelskreis…

Wunder Punkt Nr. 2: Bild im Kopf
Diese besagte Detailtreue basiert sicherlich darauf, dass die Begriffe für Aufgaben in vielen Berufen heute so abstrakt sind, dass kein Mensch, manchmal noch nicht mal ein Insider, sich darunter etwas vorstellen kann. Und das macht die Sache nicht einfacher.

Früher, als ich für Planung und Steuerung in der Druckerei zuständig war, gewöhnte ich mir irgendwann mal an auf die besagte Frage zu antworten: „Kennen Sie die BILD-Zeitung oder die Zeitung Die WELT? Da mache ich in der Technik mit.“ So hatten meine Gesprächspartner gleich ein Bild im Kopf, wie das aussieht, woran ich arbeite – das ist sehr wichtig. Denn können Sie sich spontan Konkretes dazu vorstellen, was man in der Planung und Steuerung in einer Druckerei den ganzen lieben Tag so tut? Wohl eher wenig. Man denkt wohl, etwas wird geplant und gesteuert, nichts davon kann man anfassen – hört sich nach Langweiligem an!

Ich werde übrigens auch noch nach Jahren immer noch gefragt: „Sag mal, warst Du nicht mal bei der BILD?“ Und das ist doch eines von den Zielen dieser beruflichen Selbstvorstellung: Dass die Menschen es sich merken!

Wunder Punkt Nr. 3: Entscheidungsmöglichkeit
Bei einer solchen Vorstellung wie bei meinem Beispiel mit der BILD-Zeitung, die zugegeben recht ungenau ist, habe ich keinen Menschen erlebt, der es nicht genauer wissen wollte. Und dann sagte ich im nächsten Schritt, dass ich da arbeite, wo eben diese Zeitungen auf Papier gedruckt werden. Und dann haben die meisten weiter gefragt bis zu dem Detailgrad, der für sie selbst passte. Also, habe ich diesen Menschen Gelegenheit gegeben, selbst Entscheidung zu treffen und selbst zu steuern wie viel von dem, was ich zu erzählen habe, sie wirklich hören wollen.

Denn glauben Sie es mir, kein Mensch mag es, sich einer Flut von Informationen ausgeliefert zu fühlen, die man gar nicht haben will. Das wissen Sie doch auch von sich selbst. Es gibt einen Begriff im Englischen mit der Abkürzung TMI = Too much information, der genau das aussagt. Gerade in der heutigen Zeit, wo wir einer Flut an Informationen gegenüber stehen, ist die Fähigkeit den Menschen den Freiraum zu geben selbst zu entscheiden, wie viele Details sie erfahren wollen, sehr sympathisch.

Aus diesen Gründen machen Sie sich beim nächsten mal klar, wenn jemand sie nach Ihrem Beruf fragt, was das Ziel Ihrer Selbstvorstellung ist:

  • Jemanden mit Details zu erschlagen und in die Langeweile zu treiben
  • oder doch lieber Interesse zu wecken und ihn dazu einzuladen, mehr darüber zu erfahren.

Wenn Sie mehr zum Thema erfahren wollen, z.B.

dann bleiben Sie dran, ich werde mich diesen verschiedenen Fassetten der Selbstpräsentation in meinen nächsten Artikeln widmen.

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Ps. An sich wollte ich schon länger zu diesem Thema schreiben. Als ich jetzt die Blogparade: Und was machen Sie so beruflich? gesehen habe, war mir klar, dass die Zeit reif ist. Und so ist dieser Artikel mein Beitrag zu dieser Blogparade.

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