Nimm Angebote an!

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Wie steht es eigentlich mit Ihrem JA-Muskel? Halten Sie öfter an Ihren eigenen Ideen und Meinungen fest? Sind Sie genervt von den Situationen, in denen das Gespräch mit anderen in einer Sackgasse oder im Konflikt endet? Dann wird es Sie interessieren zu erfahren, warum das JA sagen eine Lösung sein kann. Dabei bedeutet es keinesfalls, dass Sie zu jedem Quatsch „Ja und Amen“ sagen sollen und keine eigene Meinung mehr vertreten dürfen ;-).

Schauen Sie sich einfach mal an, was ich damit meine.

JA sagen im Improvisationstheater

Eine der wichtigsten Grundlagen, warum Improvisationstheater funktioniert und die erste Regel, die man als Anfänger lernt ist: Sag JA und nimm Angebote an.

Beispiel:
Stellen Sie sich vor, Sie fangen zur zweit eine Szene an, Ihr Spielpartner sagt: „Günther, jetzt bring doch man endlich den Müll herunter!“. Sie aber haben die Idee, dass Sie Chantal heißen, sind 7 Jahr alt und machen gerade Ihre Mutter im Supermarkt wahnsinnig, weil Sie unbedingt eine neue Barbie-Puppe haben wollen.
Jetzt können Sie natürlich auch innerlich NEIN sagen, das Angebot Ihres Mitspielers ablehnen und auf Ihrer eigenen Idee bestehen (weil Sie sich viel schöner finden, oder aus anderen Gründen). Dann sagen Sie so etwas wie: „Hör auf mich Günther zu nennen und kauf mir jetzt meine Barbie-Puppe, Mutti!“, und schmeißen sich schreiend auf den Boden.

Es kann sein, dass es im ersten Moment lustig ist, haha. Aber was passiert denn, denn Ihr Mitspieler auch auf seiner eigenen Idee beharrt und zu diskutieren anfängt, warum Sie verrückt sind, warum Sie in Wirklichkeit Günter sind, usw. Die Szene ist zu Ende und die Geschichte ist kaputt, noch bevor sie richtig angefangen hat. Ein Kampf darum wessen Geschichte die richtige ist, interessiert das Publikum nicht im Geringsten, gähn… Das Publikum interessiert nämlich, was für eine Person Sie als Günther sind, welche Rolle Ihr Mitspieler hat, in welcher Beziehung Sie zu einander stehen und worum es tatsächlich in dieser Geschichte geht.

Das bedeutet, wenn Ihr Mitspieler sagt, dass Sie Günther sind und haben den Müll herunter zu bringen, dann macht er Ihnen ein Angebot. Dieses Angebot gilt es anzunehmen, in dem Sie Ihre eigene Idee sofort verwerfen und zum Günther werden. Und jetzt sind Sie an der Reihe, ein eigenes dazu passendes Angebot abzugeben. Wenn Sie jetzt so etwas sagen würden wie: „Mutti, ich bin 45 und mag es nicht, wenn Du mir immer noch sagst, was ich zu tun habe!“, dann ist klar, welche Rolle Ihr Mitspieler zu spielen hat und in welcher Beziehung Sie zueinander stehen.

Jetzt wird es spannen. Denn ist es spannend zu erfahren, warum der Günter mit 45 immer noch von seiner Mutter bevormundet wird. Es kann sein, dass er immer noch zu Hause wohnt, oder vielleicht kommt die Mutter ständig zu besuch und kommandiert ihn herum. So wird die Geschichte Zug um Zug weiter erzählt. Voraussetzung ist natürlich, dass beide Mitspieler das Angebot des Mitspielers akzeptieren und darauf aufbauend ein eigenes Angebot abgeben. Nur auf dieser gemeinsamen Basis kann Improvisationstheater funktionieren.

JA sagen im wahren Leben

Und jetzt schauen wir uns mal das wirkliche Leben und unsere alltägliche Kommunikation an. Wie wäre es, wenn wir unseren JA-Muskel mehr trainieren würden? Was wäre, wenn wir das was auf uns zukommt erstmal als ein Angebot begreifen würden? Im NEIN sagen sind wir alle sehr gut. „Ja, aber…“ ist übrigens ein kaschiertes NEIN. Wie wäre es denn, wenn Sie sich angewöhnen in solchen Situationen „JA, und dann/noch…“ zu sagen? Was würde passieren, wenn Sie ein Angebot auch dort entdecken, wo Sie es nicht auf den ersten Blick sehen? Ich wette mit Ihnen, dass es so manche Situation zum Vorteil verändern würde!

Machen Sie doch mal ein Experiment, in dem Sie einen Tag lang nur JA zu den Angeboten der anderen sagen (vor allem innerlich). Ich bin gespannt, was Sie erleben!

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0 Kommentare, sei der nächste!

  1. Hallo Christoph,

    vielen Dank! Ja, Improvisation hat ganz viel mit dem Leben und unserer Kommunikation zu tun und wir können ganz viel davon lernen.
    Ich habe es zu meiner „Mission“ gemacht, Improvisationstheater so vielen Menschen wie möglich schmackhaft zu machen. Umso mehr freut es mich, dass es offensichtlich funktioniert.
    Und vielleicht spielen wir eines Tages zusammen?!

    Herzliche Grüße
    Natalie

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