Ein Buch über leise Menschen

Seit einiger Zeit steht es fest: Ich bin auch und überwiegend ein leiser Mensch. Wenn mir das einer vorher gesagt hätte, hätte ich sicher (laut) gelacht ;-). Wem habe ich diese Erkenntnis zu verdanken? Frau Dr. Silvia Löhken hat ein sehr wichtiges Buch geschrieben, das ich jedem ans Herz legen möchte: Leise Menschen – starke Wirkung: Wie Sie Präsenz zeigen und Gehör finden.

Sie hat den Begriff “leise Menschen” als Ersatz für Introvertierte kreiert. Sie selbst ist eine “introvertierte Kommunikatorin”. So wie ich auch: Ich kann auch laut, bin gern unter Menschen. Dennoch brauche ich viel Zeit für mich selbst und bin nach dem “Bad in der Menschenmenge” dringend auf die Erholung angewiesen, um meine “Akkus aufzuladen”. Das unterscheidet Intros unter anderem von den Extros, die durch das Zusammensein mit anderen Menschen ihre Energie aufladen – Frau Löhken vergleicht sie deswegen mit den Windrädern.

Introvertiert bedeutet dabei etwas ganz anderes als schüchtern oder hochsensibel. Laut verschiedenen Studien sind bis zu 50% aller Menschen introvertiert. Wobei auch klar ist, dass wir alle die Anteile sowohl von Intro- als auch von Extroversion haben, meist ist jedoch eine Seite ausgeprägter als die andere. Interessant finde ich auch, dass die Zugehörigkeit zu Intros oder Extros angeboren ist. Der Unterschied ist biologischer Natur und ist vor allem durch die unterschiedliche Ausprägung des vegetativen Nervensystems begründet.

Ich kann das Buch nur wärmstens empfehlen. Und zwar nicht nur den Intros, die sich bei der Lektüre Ihrer Stärken und Hürden bewusst werden. Sondern auch den Extros, die ihre leisen Mitmenschen danach besser verstehen werden. Ich selbst habe sehr davon profitiert, nicht zuletzt dadurch, dass ich jetzt ohne schlechtes Gewissen mich für meine Ruhepausen zurückziehe und versuche nicht mit meinem extrovertierten Umfeld mitzuhalten – eine große Erleichterung.

Wenn Sie wissen wollen, ob Sie ein Intro, ein Extro oder ein Zentro (sowohl als auch) sind, finden Sie es heraus mit diesem Test. Vielleicht erleben Sie die gleiche Überraschung wie ich ;-).

In diesem Sinne: Leise sein ist was Tolles! Auch wenn wir in einer lauten Welt leben, oder noch besser, gerade weil die Welt immer lauter wird, sollten wir uns mehr auf unsere leisen Stärken besinnen!

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(Aktualisiert, ursprünglich erschienen im März 2012)

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Hier schreibe ich zu meinen Herzensthema Sichtbarkeit für introvertierte oder zurückhaltende Menschen. Dazu gehören auch Themen Präsenz, klare Ansagen und Selbstbehauptung. Meine Spezialität ist die Verbindung zwischen dem Improvisationstheater und dem Leben.

3 Comments

  1. Huberta Weigl
    5. August 2012

    Liebe Natalie,

    ich habe den Test gemacht und bin auch ein “Intro”. :)

    Definiert die Autorin neu, was ein introvertierter und was ein extrovertierter Mensch ist. Wenn ich so nachdenke, hätte ich mich bislang wohl als “extrovertierten Menschen mit introvertierten Zügen” beschrieben. :)

    Nach Workshops muss ich mich übrigens auch zurückziehen. Nach einem ganztägigen Schreibworkshop gehe ich z.B. abends nicht aus. Das ist mir zu viel. Ich gebe in einem Workshop sehr viel und muss danach meine Energiespeicher aufladen. Und das geht am besten, wenn ich alleine bin.

    Wir ticken also ähnlich!

    Lieben Gruß, Huberta

    Reply
  2. Natalie Schnack
    5. August 2012

    Liebe Huberta,

    willkommen im Club! Es hört sich so an, als ob Du das Gute von beiden Seiten hast – cool!

    Leise Grüße

    Natalie

    Reply
  3. Lars
    11. September 2012

    Ich empfehle zum Thema Introversion auch das Buch von Susan Cain: “Still. Die Bedeutung von Introvertierten in einer lauten Welt” ? Ist quasi der amerikanische Vorgänger zum Löhken-Buch und ähnlich interessant.

    Reply
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