Äpfel oder Birnen? Vergleich ist mit Vorsicht zu genießen!

Dass das ständige Vergleichen mit Anderen unglücklich macht, war mir schon klar, oder wie es so schön heißt:

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit.“ Sören Aabye Kierkegaard.

Dass allerdings der Vergleich auch weniger erfolgreich macht, besonders Frauen, wurde erst jetzt festgestellt. Das belegt wissenschaftlich eine US-Studie, wie es in den beiden Welt-Artikeln „Ist die besser als ich?“ und „Frauen schalten in der Gruppe das Gehirn herunter“ erläutert wird. In dieser Studie kam heraus, dass gerade Frauen ihre Intelligenz und ihr Wissen wesentlich schlechter ausschöpfen können, wenn sie sich mit Anderen vergleichen, als in Situationen ohne Vergleichsmöglichkeiten. Die Angst, schlechter zu sein als Andere führt zur Selbstabwertung und blockiert sie so, dass sie ihre Potenziale nicht nutzen können.

Da frage ich mich, woran liegt es denn, dass gerade wir Frauen so anfällig sind an der Stelle?! Liegt es an der Erziehung? Liegt es an den Unterschieden zwischen den Gehirnen? Schließlich unterscheiden sich Männer und Frauen zu 90%, wie es heißt. Oder wie in diesem Video humorvoll erläutert wird.

Wie auch immer. Tatsache ist, dass Frauen dazu neigen, sich selbst zu bewerten und abzuwerten. Gehirn hin oder her, wir sind dem nicht hilflos ausgeliefert und es ist in der Hand jeder Frau, es für sich selbst zu verändern.

Vor kurzem habe ich das sehr empfehlenswerte Buch von Petra Bock “Mindfuck: Warum wir uns selbst sabotieren und was wir dagegen tun können” fertig gelesen. Das Buch wurde zum Coaching-Buch des Jahres 2011 nominiert, zu Recht, wie ich finde. Petra Bock beschreibt darin sieben “Techniken”, mit den wir uns selbst sabotieren und uns selbst den Erfolg verbauen, sie nennt sie Mindfucks. Und eins von diesen Mindfucks ist der Bewertungs-Mindfuck. Wenn wir in dem Modus des Bewertungs-Mindfucks laufen, vergleichen wir uns mit Anderen, bewerten uns selbst nach gut und schlecht und bewerten auch Andere. Dann denken wir nur noch in schwarz-weiß: Entweder ich oder die; wenn sie besser ist, dann bin ich schlecht oder so ähnlich. Diese Bewertungsspirale raubt uns Kraft und Energie, die wir für die Sache an sich gebraucht hätten. Wir denken, dass jede Anstrengung nutzlos ist, da die Anderen sowieso besser sind, und sind demotiviert. Ich denke, jede von uns kennt dieses Gedankenkarussell.

Wie können wir das unterbrechen, wir können wir es schaffen unser Potenzial auch in Konkurrenzsituationen auszuschöpfen?

Erstmal ist es wichtig, sich mit diesen Gedanken zu befassen, um sie schnell erkennen zu können, sobald sie da sind. Wenn Sie merken, Sie bewerten sich schon wieder, Sie vergleichen sich nach dem Motto: sie oder ich, wer ist schlechter, wer ist besser – einfach “Stop” sagen. Dann fragen Sie sich, ob es der Wirklichkeit entspricht und worauf diese Unterstellung basiert. Oftmals reicht es schon und dann erledigt es sich von alleine.

Mir passiert es zum Beispiel manchmal, wenn ich einen Vortrag gehalten habe, dass ich mich mit meinen Kolleginnen vergleiche, die schon seit Ewigkeiten Vorträge halten und die schon sehr erfolgreich sind. Wenn ich dann merke, dass ich mich im Bewertungsmodus befinde, sage ich zu mir selbst: “Moment, mal! Dass ist doch völlig normal, dass jemand, der schon seit Jahrzehnten auf der Vortragsbühne steht, es besser macht als ich, die erst seit ein Paar Jahren dabei ist”. Dann frage ich mich, ob ich in dem Vortrag all das, was mir möglich war geleistet habe. Wenn ja, dann lobe ich mich. Wenn ich unzufrieden bin, dann frage ich mich, was ich beim nächsten mal anders machen kann und hake die Sache ab. Damit geht es mir wunderbar.

Wichtig ist es auch, dass wir uns mit den Menschen umgeben, die uns ermutigen. Die Energieräuber und Bedenkenträger, die uns klein machen wollen und uns oder auch sich selbst ständig bewerten und vergleichen, sind dagegen kontraproduktiv.

Ein kleines Beispiel aus meiner Improvisationstheater-Gruppe. In der Gruppe, in der ich spiele, herrscht eine tolle Stimmung, die durch Vertrauen und Miteinander geprägt ist. Es liegt in erster Linie an unserer Trainerin, die einen besonderen Augenmerk auf wertschätzende Feedbacks legt und den Vergleich zwischen den einzelnen Spielern konsequent unterbindet. Im Feedback werden nur die Fragen beantwortet, die der Spieler selbst hat. Zum Beispiel: “Habt Ihr am Ende verstanden, worum es ging?”, so kommen dann Antworten, wie “Ja, ich habe es verstanden, ich habe das und dies gesehen.”, oder “Nein, ich habe es nicht verstanden, mir war das und jenes nicht klar.” In diesem Klima, wo wir fast nur Frauen sind, gibt es keinen Raum für die Vergleiche wer ist schlechter, wer ist besser. Wir wissen, dass es erfahrenere und weniger erfahrenere Spielerinnen bei uns gibt und wir wissen auch, wo die Stärken und Schwächen liegen, jede für sich. Und es geht immer darum, wie kann ich beim nächsten Mal im Vergleich zu mir selbst deutlicher/anders spielen, wie habe ich mich im Vergleich zu mir selbst entwickelt. Jede bleibt in erster Linie bei sich und beschäftigt sich damit, was die eigene Entwicklungsrichtung ist. Natürlich lernen wir auch durch das Zuschauen bei den anderen Spielerinnen, aber wie gesagt, ohne Vergleich.

Ich kenne andere Gruppen, in den „Hauen und Stechen“ herrscht, Neid und Konkurrenzgerangel sind da an der Tagesordnung. Dass so ein Klima die Vergleiche und Be- und Abwertungen bei jedem Einzelnen fördert, ist nicht vor der Hand zu weisen.

Natürlich wäre es Quatsch, jeden Vergleich an sich total abzulehnen. Es ist wichtig, dass wir unsere Leistung mit der Leistung anderer vergleichen. Wie sollen wir sonst wissen, was alles möglich wäre, wie sollen wir Vorbilder für uns definieren? Dennoch die Abwertung, die oft damit einhergeht, das ist das, was uns ausbremst und von den wirklich wichtigen Dingen im Leben abbringt.

Also Achtung, der Vergleich ist mit Vorsicht zu genießen. Stoppen Sie Ihr Bewertungs-Mindfuck und zeigen Sie, was wirklich in Ihnen steckt!

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